HHanoi - "the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away"


Authentischer Sound aus anderen Zeiten

Das Duo HHANOI aus Innsbruck legt ein eindrucksvolles Album hin. "the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away“ erscheint am 20. Jänner und birgt neben funkigem Rock auch einige Überraschungen.

Im neuen Album der Innsbrucker Band HHANOI tummeln sich die Geister verschiedener Musikzeitalter und Stile. Ein treibendes, virtuoses Schlagzeug und eine Gitarre, die manchmal wie ein John Frusciante klingt, geben dem Album einen funkigen Grundton. Die LP wartet mit einer ganzen Reihe energiegeladener Songs auf, die keinen Hehl aus ihren Vorbildern zu machen scheinen. Die Nummer „maybe tommorrow“ erinnert an Pearl Jam oder Alice in Chains und trägt den Hörer wie so oft durch ein kerniges Riff in eine graue, trostlose Fläche, in der sich Hans Hausers Gesang mächtig entfaltet. Eine starke Nummer ist auch der erste Song des Albums. „My dreams might come true/ I don’t expect them to“ singt Hauser am Ende des Songs, in der Mitte toben sich HHANOI richtig aus. Was bei vielen Bands oft aufgesetzt wirkt, funktioniert beim Klang des Duos sehr gut. Todesfurcht, Liebeskummer und Lebensfreude verschmelzen in den Lyrics vermischt mit bodenständiger E-Gitarre und sphärisch-düsteren Klängen zu einem stimmigen Gesamtpacket. Vergänglichkeit und Liebesleiden werden ohne großen Pomp zum Beispiel im Song „i am fine“ verarbeitet. „We’re all going to die no matter what we do“, klingt der Refrain fast schon ernüchternd tröstlich. Gegen Ende des Albums wird es nach gefühlvolleren Nummern wie das ein wenig nach den Foo Fighters klingende „we are alone“ wieder etwas lauter. HHANOI erfinden zwar das Rad nicht neu, lassen sich aber gut anhören, es macht sogar Spaß. Der Sound der Neunzigerjahre hängt wie Zigarettenrauch in einzelnen Nummern, den das Schlagzeug meistens bevor es unangenehm wird einfach wegpustet. Fans der Red Hot Chili Peppers, vielleicht auch der Queens of the Stone Age werden mit der Musik von HHANOI auf ihre Kosten kommen. Vielleicht ist der Nebel der Neunziger in Songs wie „plans fall apart“ oder „rainy day“ ein wenig zu dicht und beißt fast in den Augen, doch vom letzten Song dürfte keiner enttäuscht werden. „afraid“ ist ein würdiges Finale, das noch einmal so richtig aufdreht. „the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away“ ist ein beeindruckendes Album, das auf authentische Weise echte Gefühle übermittelt. Das Duo hat einen tollen Sound, weiß, wann man laut werden kann und wann nicht und liebt es zu experimentieren. Der varianten- und kontrastreiche Sound sorgt dafür, dass die Platte nie langweilig und mit jedem Hören besser wird, was bekanntlich gute Musik auszeichnet. Mitten in einer neuen deutschen Welle bleiben sie beim Englischen, bei der Sprache der Rock-Helden der 1990-2000er und zeigen, dass die Unverdorbenheit der Jugend vielleicht langsam davonschleicht, aber immer noch vorhanden ist, zumindest in ihrer Musik.

- Benjamin Stolz

CD-Cover des Albums "the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away" der Band HHANOI
HHANOI - the unspoilt bitterness of youth is slowly fading away


Aktualisiert:

12
2017

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