K.I.Z.


K.I.Z., 10. Februar @ Music Hall Innsbruck

K.I.Z. performt die Bühne der Music Hall Innsbruck
K.I.Z.

"Hater, da habt ihr den Salat!" - Die "Kannibalen in Zivil", bestehend aus Maxim, Tarek, Nico & DJ Craft, haben am vergangenen Freitag (10. Februar 2017), im Rahmen ihrer "Hurra die Welt geht immer noch unter" Tour, auch in der Tiroler Hauptstadt Halt gemacht, um "das niederträchtige Volk" zu bespaßen.

Vorab muss ich sagen, dass ich persönlich sehr großer Fan der Deutschrap-Gruppe bin und dementsprechend waren die Erwartungen natürlich hoch, als ich gegen 18 Uhr bei der Music Hall eingetroffen bin, um mir die Jungs mal aus der Nähe anzusehen und anzuhören.

Drinnen angekommen standen bereits wenige Fans vor der Bühne, der größere Rest war am Merchandise-Stand oder an der Bar verteilt. Ca. eine halbe Stunde später war die Halle dann schon halbvoll und es sollte auch nicht mehr lange dauern, bis die Vorgruppe Mädness & Döll auf die Bühne treten würde, weswegen ich mich auch langsam in Richtung Bühne begab. Von Nico angekündigt, performten die beiden Rapper aus Darmstadt unter anderem den Titeltrack ihres kommenden Albums "Ich und mein Bruder", "Unabhängig" und "Alright". Ich hatte vorher noch nie von dem Rap-Duo gehört und war wirklich positiv überrascht. Leider waren die Jungs etwas zu leise, sodass es teilweise schwierig war, die Beiden zu verstehen. Ansonsten ein gelungener Auftritt, der bei der Innsbrucker Crowd ordentlich Stimmung machen konnte.

Mittlerweile war die Halle komplett gefüllt, das Konzert war schon ein paar Wochen vorher ausverkauft. Da ich in der Mitte des Publikums stand und vorhatte, alle meine Zähne zu behalten, entschied ich, mich weiter seitlich hinzustellen und plötzlich stand ich in der ersten Reihe. Die Fans wurden langsam ungeduldig, immer wieder und immer lauter gingen "K.I.Z."-Rufe durch die Halle. Nach ein paar Minuten, die wie eine halbe Ewigkeit schienen, verdunkelte sich die Music Hall komplett und die Berliner Rap-Gruppe begann hinter einem weißen Vorhang das Intro ihres Mixtapes "Ganz oben" zu performen. Danach fiel der Bühnenvorhang und es ging weiter mit dem Track "Urlaub fürs Gehirn", zu welchem vom Publikum lauthals mitgesungen und gepogt wurde. Hunderte von Scheinen, mit dem Gesicht von Nico bedruckt, wurden bei "Geld" über die Fans verteilt, aber diese hatten auch was zurückzugeben. In der Mitte der ersten Reihe standen ein paar Mädels, die die Jungs immer wieder mit pinkem Konfetti überschütteten, an welchem sich Maxim fast verschluckte. Sein Kommentar dazu war: "An Konfetti ersticken... einen schöneren Tod kann ich mir eigentlich nicht vorstellen!".

Die "Klosterschüler im Zölibat" hielten zwischen den Tracks immer wieder kleine Ansprachen in ihrer gewohnt ironisch herablassenden und witzigen Art, mit Champagnerflaschen in der Hand, während sie es sich zwischen ihren eigenen Statuen auf der Bühne gemütlich machten. Unter anderem wollte Tarek klarstellen, dass er diesen Tag "Welt-Tarek-Tag" benannt hatte und auch, dass wir uns alle Nico als Vorbild für unsere Lebensziele nehmen sollten. Außerdem habe er nun endlich Halt in der Religion gefunden, weswegen Nico immer wieder ein "Halleluja!" durch die Halle rief, welches von den Fans erwidert wurde. Wer solche Aussagen ernst nimmt oder nicht versteht, hat sich mit den vier Berlinern und ihren Texten wohl nicht richtig beschäftigt und sollte sich vielleicht wieder sein Glitzertop überziehen, um zu inhaltsloser Musik à la Justin Bieber zu tanzen. Nico bringt es im Track "Wir" auf den Punkt: „Es liegt an eurem geistigen Fassungsvermögen, wenn ihr bei K.I.Z. nicht lacht, ihr Amöben.“

Das Konzert ging weiter mit "Einritt", "AMG Mercedes", "Ehrenlos" und "Ich bin Adolf Hitler". Das Publikum war bei jedem Song hundertprozentig dabei und es mussten schon erste Crowdsurfer und weinende Mädels von der Security und den Sanitätern rausgefischt werden.
Bevor "Spasst" angestimmt wurde, stellten uns die drei Rapper ihr "Rückgrat" DJ Craft aka DJ Auge aka DJ Sex vor und forderten uns auf, vor ihm auf die Knie zu gehen, was natürlich sofort befolgt wurde. Auch sein Wunsch, nämlich, dass das gesamte Publikum zu dem nächsten Song springt, wurde ihm gerne von den Innsbruckern erfüllt. Danach blieb DJ Craft alleine auf der Bühne hinter seinem Pult stehen, welches auf einem Panzer aufgebaut war, während "Das Kannibalenlied" im Hintergrund lief. Anschließend kam der Rest der Gruppe wieder auf die Bühne und Maxim ließ es sich nicht nehmen, eine kleine "beleidigende" Rede über Innsbruck und ihre Einwohner zu halten, welche auch einen sehr gesellschaftskritischen Ton hatte. Danach ging es weiter mit "Abteilungsleiter der Liebe".

Die drei Rapper verließen wiederum kurz die Bühne, zurück kamen Nico und Tarek, welche sich Skimasken übergezogen hatten, um den Track "Glücklich und satt" zum Besten zu geben. Nun kam mein persönliches Highlight der Show: Die "Geburt" des Maxim. Für den Song "Käfigbett" rollten zwei Männer in weißen Kitteln eine Pappfrau mit gespreizten Beinen auf die Bühne, aus welcher Maxim mit Kunstblut verschmiert und nur mit einer Windel bekleidet gekrochen kam. Zum Ende des Songs hüpfte er wieder zurück in die Pappfrau und es wurde dunkel in der Halle. Anschließend kamen Nico und Tarek auf die Bühne, um "Geld essen" zu rappen. Für seine Strophe kam Maxim wieder sauber und voll bekleidet dazu.

Das Konzert ging weiter mit den Titeln "Nagellackentfernerfotze", "Ellenbogengesellschaft" und "Ein Affe und ein Pferd", zu welchem die Innsbrucker Fans eine Wall of Death bildeten. Die Energie des Publikums ließ nicht nach, es wurde weiterhin gepogt und mitgerappt zu "Verrückt nach dir". Bei "Neuruppin" wurde es schon fast romantisch in der Music Hall, als jeder, nach Aufforderung von Nico, sein Feuerzeug in die Luft hielt. DJ Craft blieb danach ein weiteres Mal alleine auf der Bühne, während seine Kollegen diese verließen und es dunkel wurde. Der Song "Wir" beginnt zu spielen und die Rapper kommen nacheinander raus, um ihre Strophen zu performen. Danach folgte "Was würde Manny Marc tun". Tarek rappte hier sogar einen Part, welcher auf dem Album nicht zu hören ist. Weiter ging es mit "Ariane", "Boom Boom Boom", "Raus aus dem Amt" und schließlich "Hurra die Welt geht unter".

Die "drei lustigen Vier" verließen noch ein letztes Mal die Bühne. Ein Vorhang, auf welchem ihre Gesichter zu sehen sind, fiel von der Decke und im Hintergrund sang Tarek, begleitet von einem Akustikinstrumental, weiter den Refrain des Titelsongs ihres neuesten Albums. Abschließend kam jeder der Gruppe im schwarzen Bademantel vor den Vorhang, um zur Melodie von "We are the World" ihren Klassiker "Hurensohn" zu singen. Nico erklärte Innsbruck somit für "geheilt" und rief nochmals ein "Halleluja" in die Halle.

Als die vier Berliner die Bühne verlassen hatten, sang das Publikum noch einige Minuten weiter, bevor sich die Ersten wieder auf den Weg nach Hause machten. Maxim kam wenig später noch in die Halle, um sich mit den übrigen Fans zu unterhalten, Fotos zu machen und Autogramme zu geben.

Ich muss sagen, dass meine Erwartungen absolut übertroffen wurden. Es war eine durchweg unterhaltsame und äußerst kreative Show, die ich so bisher von keinem anderen deutschsprachigen Act erlebt habe. Der Rap-Gruppe wurde im Rahmen der "1Live Krone" zwei Mal in Folge der Titel "Bester Live Act" verliehen und das wirklich zu Recht.

Mein Schlusswort: HALLELUJA!

- Yasemin Peker

 

 


K.I.Z. performt die Bühne der Music Hall Innsbruck
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Das Publikum feiert die Band K.I.Z. in der Music Hall Innsbruck
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K.I.Z. performt die Bühne der Music Hall Innsbruck
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K.I.Z. performt die Bühne der Music Hall Innsbruck
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Aktualisiert:

11
2017

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