Dillinger Escape Plan


Die Band Dillinger Escape Plan spielt auf einer Bühne in der Music Hall in Innsbruck
Dillinger Escape Plan

Dillinger Escape Plan, 27. Juni @ Music Hall Innsbruck

Eine der coolsten Livebands überhaupt verabschiedete sich am Dienstag, den 27. Juni in Innsbruck alles andere als leise. Zum allgemeinen Bedauern löst sich die Band nach der jetzigen Tournee auf, da sie sich nach eigenen Aussagen an einem musikalischen Endpunkt befinden. Geplant war daher eine europaweite Abschiedstour in zahlreichen Städten. Ein Autounfall in diesem Jahr machte ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung und die bisherige Tour musste abgesagt werden, da das gesamte Equipment großen Schaden davontrug. Schlecht für sie – doch gleichzeitig auch ein Glücksfall für alle Innsbrucker. Kurze Zeit später wurde nämliche eine neue Tour bekanntgegeben, diesmal sogar mit einem Konzert in der Music Hall Innsbruck. Kaum zu glauben für viele eingefleischte Fans, die sogleich ihr München-Ticket so schnell wie möglich verkauften und sich für das lokale Event entschieden.

Aber jetzt genug zur Vorgeschichte. Als Support gastierten God Mother und Black Peaks, die noch vor einem wirklich minimalistischen Publikum spielen mussten. Anfangs konnte man alle Leute noch fast von einer Hand abzählen, bis zur ersten Band wurden es dann jedoch knapp 30. Typischerweise stellte sich das ganze Publikum mit großem Respektsabstand in einem gigantischen Halbkreis um die Bühne. Das veranlasste den Sänger von God Mother für eine etwas eigenwillige aber durchaus anspruchsvolle Performance. Er zelebrierte ein kleines Workout-Programm, während er tiefe Growls aus sich rauspresste und jeden im Publikum mindestens einmal direkt ins Gesicht schrie. Zwischen Rückwärtsrollen und Dehnübungen schlängelte er sich akrobatisch einen hohen Stehtisch hinauf um dann wieder spektakulär hinabzuspringen. Beweglich ist der Mann auf jeden Fall, das muss man ihm zugestehen. Musikalisch konnte man leider nicht genau zuordnen, was sie da so von sich gaben. Die Drums waren Welten zu laut und (wenn er nicht gerade 1 Meter vor jemanden stand) konnte man kaum hören was der Sänger so brüllte. Auch der Gitarrist wurde vom viel zu lauten Bass übertönt. Schade für die Band, da sie so leider nicht wirklich ans Publikum herantreten könnten, trotz der starken Bemühungen des Sängers. Black Peaks schafften es dann zumindest die Menge ein bisschen näher an sich heranzulocken und für ein bisschen Bewegung zu sorgen. Auch hier war der Ton noch nicht wirklich optimal gemischt, immer noch dominierten Bass und Drums, jedoch konnte man zumindest erahnen, dass die Briten Post Hardcore mit progressiven Elementen spielen. Stilistisch machten sie eine gute Brücke zwischen dem eher harten, aggressiven Sound von God Mother und der künstlerisch-experimentellen Musik von The Dillinger Escape Plan. Sänger Will Gardener wechselte elegant zwischen feinem Gesang und den teilweise recht abrupten Growls hin und her. Dazwischen brüllte er immer wieder das Publikum an, doch mal ein bisschen in die Gänge zu kommen. Eine Aufforderung zu einem kleinen Moshpit scheiterte dann aber irgendwie doch. Die Menge ging zwar brav auseinander und dann war da diese große Lücke und Ende. Aber versucht haben sie es immerhin. Die Show war insgesamt aber sehr solide.

Als dann nach einer knappen halben Stunde der Hauptakt auf die Bühne kam, musste man sich schon richtig einen Platz in den vorderen Reihen erkämpfen und später dann auch ordentlich verteidigen. Mit voller Wucht kamen The Dillinger Escape Plan und räumten Mal ordentlich auf. Kaum war der 3. Ton gespielt, wurde ein Schalter im Publikum umgelegt und jeder fing an aufzutauen. Moshpit, Headbangen, Applaus – alles war dabei. Und bei Black Bubblegum konnte dann auch jeder mitsingen. Von den teilweise recht brutalen und selbstzerstörerischen Auftritten von Sänger Greg Puciato hatte man zwar schon einiges gehört, als er dann aber Brutal einfach eine Kiste von der Bühne in Richtung Publikum trat, war man dann aber doch ein bisschen schockiert. Im Gegensatz zu andere Konzerten war das dann aber doch noch eher zivilisiert. Auch ihre restliche Performance war eine Wucht. Man konnte die Freude an der Musik und an den Live-Auftritten sichtlich erkennen. Am liebsten wäre man selber auf Randalier-Kurs auf die Bühne gegangen und hätte sich gerne von einer Ecke zur anderen geschmissen. Vor allem die Leidenschaft von Lead-Gitarrist Ben Weinman war unverkennbar. Man konnte kaum mitverfolgen, wie schnell er mit seinen Fingern über den Gitarrenhals glitt und nebenbei die ganze Bühne als Tanzfläche benutzte. Dem kann man nur Respekt zollen!

Wer sie bis dato noch nicht gesehen hat, sollte sich am besten schnell noch ein Ticket besorgen – das könnte wirklich die letzte Chance sein. Und die zwei Stunden Ohren-Dröhnen danach rentieren sich wirklich vollkommen!

- Magdalena Ripfl, verfasst am 02.07.2017


Die Band Dillinger Escape Plan spielt auf einer Bühne in der Music Hall in Innsbruck
Dillinger Escape Plan
Der Schlagzeuger der Band Dillinger Escape Plan spielt auf einer Bühne in der Music Hall in Innsbruck
Dillinger Escape Plan

Aktualisiert:

12
2017

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