Air&Style - Samstag (04.02.17)


Gruppenfoto der Teilnehmer des Air&Style Contests
Air&Style

2. Tag: Biffy Clyro und das große Finale  

Am zweiten Tag sah die Lage schon weniger traurig aus. Die Qualifikation der Frauen ging über die Bühne, davor gab es ein Konzert des Deutschrappers SSIO. Vor den Finalrunden traten The Naked and Famous auf der Mainstage auf. Das violett-blaue Bühnenbild passte zum sanften Synthie-Pop, am Bühnenrand blies jemand Seifenblasen in die Menge – alles schien wie eine Art Miniaturbild eines Konzerts der Flaming Lips. Die Band aus Neuseeland gestaltete ihre Spielzeit nicht aufregend, jedoch kurzweilig. Für die gelegentlichen FM4 Hörer wurde am Ende ohne große Umschweife der Song "Young Blood" gespielt. Mit einem "Thank You" verabschiedete sich das Quintett von einem Publikum, das zumindest beim letzten Song brav mitgesungen hat. Das Musikalische Highlight des zweiten Abends trat in Form von den drei Herren von Biffy Clyro – plus Rhythmusgitarrist, der sich in einem hinteren Teil der Bühne versteckte - in Erscheinung. Die Singleauskoppelung "Wolves of Winter" vom aktuellen Album Ellipsis weckte das vom sanften Hochwasserhosenpop der Vorgängergruppe eingelullte Publikum gerade zur rechten Zeit – wohlgemerkt – Tag 2 war ein ganzes Stück kälter.

Ü20-Fangirls und Foo Fighters

Das Publikum hatte sich verändert. War das Bilderbuchkonzert noch ein Teenie-Geburtstag, hatten sich zu Biffy Clyro die geschätzten Jahrgänge von 1985 bis 1995 versammelt, um gemeinsam zu singen, zu tanzen und verhalten zu moshen. Scheinbar kannte hier jeder die Texte zu den einzelnen Songs. Lippen bewegten sich, das eine oder andere Feuerzeug wurde hin und her geschwenkt in den alles übertönenden Druckwellen eines zu lauten Basses. Vor dem Konzert beschrieb jemand die schottische Band als die noch nicht totgespielten Foo Fighters. Währenddessen stellte sich heraus, dass dies den Nagel auf den Kopf traf. Kerniger, energiegeladener, mit den Klischees in einem nicht überreizten Maße spielender Stadionrock mit einer Brise Grunge und einem Hauch von Männerromantik. Als Simon Neil, Sänger und Gitarrist, bei der Kälte dann auch noch sein Hemd auszog und einen tätowierten Oberkörper freilegte, war für viele der Abend gerettet. Purer Rock'n'Roll - "hell yeah" - wie man es sonst nur von Dave Grohl kennt. Recht pünktlich war die beeindruckende, nicht aufgesetzt wirkende Rockshow vorüber und das Publikum, das dieses Jahr fast einheitlich von Snowboardoutfit zu Bluejeans gewechselt hat, floss langsam zurück zur Schanze für il grande finale.

Ein gutes Fest

  Vor allem zügig ging das Finale des diesjährigen Air& Style über die Bühne. Überrascht stand man als Snowboard-Laie oft am Zuschauerrand und wunderte sich darüber, dass es schon einen Sieger gab. Natürlich war alles mit rechten Dingen zugegangen. Die Siegerin des Frauenwettbewerbs war jedenfalls die Finnin Enni Rukajärvi. Bei den Männern triumphierte Max Parrot vor dem Norweger Marcus Kleveland, der die Spiele in Peking bereits gewonnen hatte. Die Sieger wurden, von zwei Damen flankiert, mit Champagner geduscht. Träge schwappte die Menge darauf ein letztes Mal auf den Sportplatz, um der Darbietung der Hip-Hopper Beginner zu lauschen. Eine stufenförmige Bühne mit einem DJ on top und zwei Backgroundsängerinnen wollte den Anwesenden zeigen, wer unter den Musikern die Hosen an hat. An Biffy Clyro oder Bilderbuch kam die Show der Hamburger jedoch nicht heran. Als sich die Menge am Ende des Konzerts der unausweichlichen Frage Party oder nicht Party stellen musste, konnte man schon sagen, dass dies ein gutes Festival war, nur interessierte es keinen.

- Benjamin Stolz


Air & Style - Samstag (04.02.17)

Der Samstag begann schon recht früh, diesmal war der Einlass schon um 12:30 Uhr, Ende des Tages um 22 Uhr also knapp 10 Stunden Musik und atemberaubende Sprünge. Damit den Zuschauern nicht kalt wurde, waren auch einige Konzerte nach Innen verlegt: dort konnte man zu Mittag schon Counterfeit, danach Lucky Chops, 257ers und Fünf Sterne Deluxe anschauen. Der Wechsel zwischen der Indoor Stage und dem Freigelände dauerte jedoch seine Zeit, daher beschlossen viele sich die Bands innen zu sparen und einfach im Freien zu bleiben. Dies lag vor allem auch daran, dass sich das Semifinale der Herren und die Qualifikation der Frauen teilweise mit den Bands überschnitt. Durch die Aufteilung der Menschen, war überall viel Platz und man kam bei den Bands und bei den SpringerInnen gut weit vor und konnte sich alles in Ruhe anschauen. Der größte Unterschied zum Vortag waren jedenfalls die Menschenmassen. War der Freitag eher noch überschaubar gefüllt, so war am Samstag schon einiges mehr los. Dennoch kam man sowohl schnell zu einem Getränk und musste auch nie lange anstehen. Durch die großflächige Aufteilung des Geländes und den zahlreichen unterschiedlichen Getränke- und Essensständen war das möglich.

Sportlich war es am Samstag eindeutig spannender. Die Moderatoren drehten nochmals eine Spur auf - vor allem die englischen Kommentare waren absurd-komisch und brachten einen zum Mitfiebern. Dem Moderator merkte man seinen Enthusiasmus und seine Begeisterung unglaublich gut an, er schrie und fühlte direkt mit den SpringerInnen mit. Seine Lieblingsfloskel war eindeutig "So close, so close", wenn es mal wieder einen der SnowboarderInnen hinschmiss. Er war fast schon unterhaltsamer als das Event selber, da er mit so viel Energie und Elan seinen Senf dazu gab. Daneben ging der deutschsprachige Moderator wirklich unter, er probierte zwar auch ein wenig mitzureden, doch er wusste wohl selber, dass er nicht dagegen ankommt.

Auch die Sprünge waren an diesem Tag nochmals eine Spur atemberaubender - zwar (und das muss ich an dieser Stelle zugeben) versteh ich persönlich von den verschiedenen Sprüngen/Drehungen/Griffen nicht wirklich viel - aber das geht wohl einigen anderen auch so - dennoch konnte man nur seinen Respekt zollen, wenn man die SportlerInnen bei dieser Rampe runter sausen und dann die wildesten akrobatischen Sprünge hinlegen sah. Die Gewinner des Abends war bei den Herren Max Parrot, bei den Frauen Enni Rukajärvi.

Zwischen den Qualifikationen und den spannenden Finalsprüngen, sorgten The Naked an Famous und Biffy Clyro für die musikalische Umrahmung. The Naked an Famous hatten nicht viel Bling-Bling und Showeffekte dabei, sondern setzten auf starke Stimmen und ihre Musik. Wäre es nicht so kalt gewesene, wäre die neuseeländische Band perfekt für den Nachmittag geeignet. Leichter elektronischer Pop - perfekt um in der Wiese zu sitzen, ein Bier in der Hand und sich sanft zur Melodie zu bewegen.

Biffy Clyro brachte dann aber schon mehr Schwung mit. In knapp 50 Minuten packten die Schotten alte und neue Hits, mit viel nackte Haut und einer energiegeladenen Performance. Auch sie verzichteten auf Klimbim und viele Worte - waren aber dennoch sehr charmant und sympathisch. Ein Highlight für alle Frauen war dann noch, als Sänger Simon Neil sein Hemd auszog und oberkörperfrei Gitarre spielte. Das Resultat waren schrille Schreie und hunderte Handys in der Luft. Die drei Schotten legten eine coole Show hin und begeisterten durch alte und neue Hits, vor allem bei den Lieder "Bubbles", "Wolves of Winter" oder "Mountain" war die Zuschauermenge ein gewaltiger Chor der enthusiastisch mit schrie und dazwischen jubelte und klatschte. Für viele war dieser Auftritt wohl das Highlight am zweiten Tag des Air + Styles.

Ab 21 Uhr spielten dann noch Beginner und sollten so das Innsbrucker Festival ausläuten. Viele Zuschauer verzichteten aber nach einiger Zeit auf die letzte Band und gingen vorzeitig oder schauten ab halb zehn zur Aftershowparty. Die Performance von Beginner war - kurz gesagt - recht eigenartig. Mit zwei Background-Tänzerinnen/Sängerinnen im Schlepptau versuchten sie auch einige Tanzleinalgen - die beiden Sänger (Jan Delay und Denyo) wirkten aber eher wie zwei Hampelmänner, die nicht so ganz wissen, was sie da tun. Persönlicher Tiefpunkt war dann, als eine große Plüschhenne und ein Schwein auf die Bühne kamen und dann um die beiden herum watschelten und lustig tänzelten. Da konnte man sich nur noch fragen, was das zu bedeuten hat - konnte sich aber dann auch nicht wirklich was zusammenreimen. Musikalisch sorgte die Formation vor allem für viel Bass und gute Stimmung unter ihren Fans. Den zahlreichen Hip-Hop-Fans gefiel es - was man auch kaum überhören konnte. Jedes Lied wurde abgefeiert. Für nicht-eingefleischte Fans war das Konzert dann eher ein Reinfall, was auch die große Abwanderung zeigte.

Für Nachtschwärmer war dann aber noch nicht Schluss. Indoor sorgten dann noch die Wax Wreckaz oder Pendulum DJ Set und Verse für Unterhaltung. Dort konnte man dann bis knapp 5 Uhr noch zu fetten Beats tanzen. Für das Party-Ticket musste aber vorab schon 10 Euro mehr gezahlt werden, wodurch viele dann darauf verzichteten.

Insgesamt war das Air + Style 2017 ein großer Erfolg! Vor allem durch das sehr großflächige und sehr strukturierte Areal und den zahlreichen Ständen sorgten sie für einen guten Rahmen, in dem dann das eigentliche Event gut funktionieren. Abgesehen vom schlecht kommunizierten Wechsel in der Abfolge kann man an der Organisation nichts aussetzen. Auch die durchmischte Auswahl bei den Bands sorgte für Begeisterung. Insgesamt also ein sehr cooles Event. Nächstes Jahr gerne wieder!

- Magdalena Ripfl


Aktualisiert:

12
2017

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