Air&Style - Freitag (03.02.17)


Die Bühne des Air&Style Festivals in Innsbruck
Air&Style

Air & Style - Freitag (03.02.17)

Innsbruck hat mittlerweile ein Festival bekommen - ganz offiziell als "Air + Style Festival Innsbruck" bezeichnet. Stattgefunden hat es am 3. und 4. Feber 2017, mit allerlei sportlichen und musikalischen Highlights. Mit dabei waren unter anderem Bilderbuch, Biffy Clyro, Beginner oder Millencolin und Naked and Famous. Also ein bunter Genremix. Daneben fand auch snowboardtechnisch einiges statt - heuer auch wieder mit einem Frauen-Contest.

Die bereits angesprochene Festival-Atmosphäre zeigte sich auch auf dem riesigen Gelände bei der Olympiaworld. Neben zahlreichen Foodtrucks, Getränkeständen und auch den nicht gerade beliebten Plumpsklos, gab es eine Mainstage im Außenbereich, aber auch eine Indoor-Bühne. Das Gelände war sehr gut strukturiert: Egal wo man sich befand, man konnte die Bühne und die riesige Rampe von überall aus gut sehen. Auch der Weg zwischen den Attraktionen war nicht weit. MusikliebhaberInnen konnten also ganz leicht von der Bühne aus den Contest mit verfolgen und auf die nächste Band warten. Rundherum verteilt waren einige Getränkestände, die leider bei teilweise eisigen Temperaturen auch heißen Glühwein und Kaffee verkauften. Am Samstag dann gingen auch einige Verkäufer durch die Mengen und verkauften direkt am Mann, das fehlte am Freitag noch gänzlich.

Worüber man sich also am ersten Tag beschweren konnte war der Ticketpreis und das Nicht-existieren eines Tagespasses für den Freitag. Es gab nämlich genug Leute, die sich einfach nur das Konzert von Bilderbuch anschauen wollten. Sportlich war es an diesem Tag noch nicht so spannend, da erst die Qualifikationsrunden der Männer stattfanden, dennoch konnte man schon ein paar spektakuläre Sprünge mit ansehen. Auch die Last-Minute-Änderung des Ablaufs an diesem Tag sorgte für einige Verwunderung - dazu aber gleich noch mehr.

Highlight des Tages war eindeutig das Konzert von Bilderbuch - mit großem Abstand! Vorbands waren The Hunna und Millencolin. Schon um 17 Uhr startete das erste Konzert vor einer sehr überschaubaren Anzahl von Menschen. Den meisten noch eher unbekannt, waren aber doch fünf heißblütige Fans anwesend, die einen eigenen Tanzkreis eröffneten und die Briten ordentlich zum Schwärmen brachten. Einige Austria-Australia-Versprecher und viele Dope-Witze später, war die restliche Zuschauermenge auch ein bisschen angetan und schunkelte schon mal mit.

Millencolin sollte laut Plan um 18:45 starten, begann dann aber erst um 20:00 Uhr. Zwar wurde per Facebook die Änderung bekanntgegeben, am Festivalgelände selber wusste allerdings kaum jemand bescheid. Auch nicht die Ordner. Wer also nicht ständig online war oder die Air + Style-App hatte, wusste über die Änderung nicht Bescheid, es wurde auch nicht beim Check In am Anfang kommuniziert, wäre allerdings für nächstes Jahr ganz hilfreich! Es standen daher schon viele ab halb sieben vor der Bühne und warteten, bis man nach einiger Zeit dann begriff, dass die zweite Qualifikationsrunde vorgezogen wurde. So hatten also die Bühnenarbeiter ordentlich viel Zeit zwischen The Hunna und Millencolin, dennoch gab es aber einige tontechnischen Schwierigkeiten. Bei den ersten paar Liedern konnte man neben einem überlauten Schlagzeug und einem eher heißeren Sänger nicht wirklich viel hören. Mit der Zeit wurde die Qualität jedoch besser und das Konzert dann doch noch spaßig.

Nach kurzer Umbauphase standen dann Bilderbuch auf der Bühne und präsentierten sich gewohnt lässig, lustig und ein bisschen verrückt. Am Air+Style verzichteten sie auf eine große Bühnenshow - Bühnenbild war nur ein weißes Tuch, dass mit verschiedenen Farben und Schriftzüge angestrahlt wurde. Bei der Performance wurde aber auf nichts verzichtet. Maurice ließ die ganze Welt hoch-leben, tänzelte von links nach rechts und führte seine ganz eigene Show auf der Bühne auf. Herzerwärmend war vor allem die Ansprache von Bilderbuch über die Schließung des Weekenders. Die ganze Band zeigte sich mitfühlend und widmeten ihr Lied "Maschin" dem Weekender Club, da sie ihn dort zum ersten mal live gespielt hatten. Insgesamt spielten die Jungs ein sehr abwechslungsreiches Set, leider nur mit einem ihrer alten Hits (was aber an der kurzen Spielzeit lag) - altbekannte Fans durften sich also auch über "Kopf ab" freuen.

- Magdalena Ripfl


Ein gelungenes Air & Style, das nicht viele interessierte...

Das Innsbrucker Air&Style Festival bot ein Snowboardspektakel mit fettem Lineup. Wirkte das Gelände am ersten Tag noch verlassen, so feierten am zweiten Tag etwas mehr Menschen mit den Athleten. Mit 13500 Besuchern an beiden Tagen war das diesjährige Air&Style jedoch nicht gerade gut besucht.

 

Tag 1: Maue Meute und ein Bilderbuchkonzert

Ob es am Wetter, an der Musik, an den Eintrittspreisen oder an sonstigen attraktiveren Freizeitangeboten lag, wird man wohl nie erfahren. Zu Beginn der Veranstaltung, als die britischen Indie-Rocker „The Hunna“ ihre Songs zum Besten gaben, befanden sich ganze 20 Menschen auf dem FC-Wacker Trainingsplatz. Am restlichen Gelände sah es nicht anders aus. Vor der Bühne tanzten vier Fans zur Musik der Briten. Die Band nahm es mit Humor und lieferte trotzdem eine beachtliche Performance. Der Sänger freute sich. Was war geschehen? Eine Grippewelle? Eine Terrorwarnung?

Kleiner Applaus und Nasensekret

Pünktlich lief an der Schanze der erste Lauf der Qualifikation der Herren an, spärlicher Applaus ging an die Lokalmatadore, ein gelegentlicher Mitleidsklatscher an die anderen. Der einzige motivierte Mensch war zu dieser Stunde wohl der Moderator, der, sobald jemand landete, ein für in der Szene nicht bewanderte Zuseher wirres Geschrei aus Zahlen und englischen Wörtern, die Drehbewegungen beschrieben, ausstieß. Wenn jemand stürzte oder an der dünnen Schneeschicht abrutschte, tönte ein „sooooooo clooooooose“ durch die für die geringe Zuseheranzahl viel zu laut aufgedrehten Lautsprecher. Kurzfristig beschloss man, beide Runden der Qualifikation hintereinander abzuhalten, was niemand so richtig mitbekam, nicht einmal die Sicherheitsleute vor der Bühne. Als schließlich die Millencolin die Bühne betraten, hatte sich zumindest eine größere Traube um die Bühne am Kunstrasenplatz gebildet. Die Show der Alt-Punks war leider nicht aufregend, der Bass des Lead Sängers kaum hörbar. Die seltsam anmutenden Luftsprünge des Gitarristen á la Sex Pistols retteten den Auftritt nicht. In Erinnerung bleiben eine übertrieben laute Bass Drum und ein Sänger, der regelmäßig vor die Bühne spuckte und sein Nasensekret auf den Bühnenboden schnäuzte. Mahlzeit.

Die Retter des Tages

Als die Lage aussichtslos schien, kam die Rettung in einem karierten Mantel und blauen Lederhosen auf die Bühne. Maurice Ernst, Sänger der Band Bilderbuch, heizte die Menge mit „I <3 Stress“, der zweiten Single des kommenden „Magic Life" Albums an, so gut es ging. Bilderbuch entpuppten sich vom ersten Takt an als die Rettung des Tages und bewiesen, dass sie – der Sachverhalt lässt keine andere Wortwahl zu – die Coolsten im deutschsprachigen Pop, möglicherweise sogar weiter hinaus, sind. Nach drei Songs vom kommenden Album wurden hauptsächlich Lieder von ihrer Durchbruch-LP "Schick Schock" gespielt. Das zu großen Teilen aus Teenagern bestehende Publikum war von der musikalisch und optisch perfekt inszenierten Show begeistert. Maurice Ernst und Michael Kramer (alias "Mizzy"), der virtuose Gitarrist, harmonierten wie immer und lieferten dem Publikum verrückte Wettkämpfe im Stil von Autotune versus E-Gitarre. Die Show gehörte ganz allein Mizzy, als sich die anderen Bandmitglieder zum Fadeout des Hits "Plansch" unauffällig in den hinteren Teil der Bühne zurückzogen. Demonstrativ löste er seinen strammen Dutt, offenbarte seine Rockstar-Haarpracht und ließ auf den Knien die seine schwarze Telecaster zusammen mit dem Publikum jaulen. Man mag zur Musik der Wiener stehen wie man will, die Leistung, die sie vom Schlagzeug bis zum Keyboard bieten, ist fantastisch. Mit einem kollektiven "OM" endete der erste Abend und gut 3000 Menschen zogen von dannen.

- Benjamin Stolz


Aktualisiert:

09
2017

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