Kingzbrook


Johnny, Güven und Vladi stellen sich den Fragen von MEI- Sound

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Kingzbrook, das sind Jonathan "Johnny" (Rhymes and Lyrics), Güven (Rhymes and Lyrics) und Vladislav (Beats). Seit mittlerweile 1 1/2 Jahren versuchen sie guten Hip- Hop von Innsbruck aus wieder salonfähig zu machen. Mit ihren intelligenten und sozilakritischen Texten sind am besten Weg dazu.

Vor kurzem standen sie dem MEI- Sound Team zum Interview zur Verfügung und erzählen u.a. über ihren musikalischen Werdegang, Soul im Hip- Hop und die Pläne für die Zukunft.

Mei Sound: Wie habt ihr Euch kennengelernt und seid zum Hip- Hop gekommen?

Johnny: Ich hab den Vladi 2007 in der Berufschule kennengelernt, da wir beide Koch gelernt haben. Er hat damals schon mit Beats herumgebastelt. Ich bin über die Skater zum Hip- Hop gekommen, zuerst die englischsprachigen Rapper wie Eminem oder 2 Pac.

Vladi: Mir hat damals das Webradio auf i-tunes extrem gefallen, sie haben wirklich geile Beats gespielt! Ich habe mir dann ein Programm gekauft, mit dem man selber Musik machen kann. Man braucht nur einen MPC und kann sofort loslegen!

Güven: Bei mir, ich weiss es ganz genau, war das Jahr 1994 die Initialzündung in Sachen Rapmusik. In unserem Hof in Zirl, wo alle Ausländer wohnen, haben ältere Kinder die 2 Pac CD "End of Time" "liegen lassen". Wir haben nichts mehr anderes gehört, und ab da war Hip-Hop meine Musik!

Mei Sound: Ihr rappt jetzt auf Deutsch. Wieso?

Güven: Man kann sich ganz einfach besser ausdrücken und wird nicht gleich in eine Schublade gesteckt. Außerdem bin ich ein bisschen stolz, weil es ja auch "unsere" Sprache ist.

Johnny: Cool Savas und Nasad haben mich dazu gebracht, deutsche Texte zu schreiben. Wie Güven schon gesagt hat, fällt es einfacher, sich Dinge von der Seele zu rappen. Auf diese Art bleiben wir uns selber treu.

Mei Sound: Wie betrachtet ihr die momentane Hip- Hop Szene?

Güven: Mit der deutschsprachigen Hip- Hop Szene kann ich momentan wenig anfangen, das Gangster Gehabe der meisten Rapper geht mir ziemlich auf die Nerven. Ich habe den Eindruck, dass die Meisten vorspielen, ein "Gangster" zu sein. Es werden nur Feindbilder gebildet, udn über die eigentlcihen Probleme spricht keiner. Für mich ist Hip- Hop eine Musik des Herzens, man sollte auch nie vergessen, woher man kommt!

Johnny: Die "Gangster" haben ziemlich viel kaputt gemacht, Hip- Hop wird mit Gewalt und Machogehabe in Verbindung gebracht. Wir wollen den Soul und den Spass wieder in den Vordergrund stellen, ohne jedoch unsere sozialkritischen Texte zu vernachlässigen.

Vladi: Man kann ja ohne Probleme zu sozialkritischen Hip- Hop Songs tanzen, vorausgesetzt, der Beat passt natürlich (lacht).

Mei Sound: Was bedeutet für Euch Innsbruck? Ist ja immerhin Bestandteil des Bandnamens?

Güven: Für mich bedeutet es schon irgendwie "zu Hause". In der Türkei kann ich komischerweise am besten mit den älteren Menschen kommunizieren, sonst kann ich mich dort nicht mehr einfinden. Wenn ich dann nach Innsbruck komme, ist es schon eine Erleichterung.

Vladi: Ich bin ja ursprünglich aus Moskau, und habe manchmal schon ein wenig Heimweh. Wohnen tu ich aber in Nassereith, bin aber jeden Tag in Innsbruck, weil da arbeite ich und überhaupt sind meine Freunde auch da!

Johnny: Ich bin in Innsbruck geboren, habe aber philippinische Wurzeln. Ich habe mich nie als richtiger Innsbrucker oder Tiroler gefühlt, da ich in der Schule immer der Außenseiter war, was sehr anstrengend war. Andererseits, wenn ich das nicht erfahren hätte, wäre ich heute nicht derjenige, der ich bin. Es hat mich sicherlich auf Probleme aufmerksam gemacht, zum Beispiel, dass viele Gruppen gegeneinander sind. Auch von der Polizei wird man als "Ausländer" oft anders behandelt, obwohl man ja da geboren oder aufgewachsen ist. Die Herkunft wird fast immer überbewertet! Bei uns sieht man ja auch, das es geht: Ein Russe, ein Philippiner/Tiroler und ein Türke. Alles kein Problem!

Mei Sound: Levent (Levent Akgün, Anmerkung) hilft Euch in Sachen Pressearbeit, Auftritten, etc. Wie habt ihr euch getroffen?

Johnny: Levent hat mich in einem Internetcafe einfach mit "Seawas Hip Hopper" angeredet und so sind wir ins Gespräch gekommen. Da wir noch keine Homepga hatten, hat er uns seine Hilfe angeboten.

Levent: Ich sehe bei den Jungs einfach Potential, die Lieder und Texte sagen etwas aus, ich sehe ganz einfach einen Sinn dahinter.Wir werden jetzt auch einen Verein gründen, hoffentlich ein kleines Studio einrichten. So sollen auch andere Jugendliche dazu gebracht werden, sich kreativ zu betätigen und ihre Emotionen auszudrücken.

Mei Sound: Ihr habt alle einen Migrationshintergrund. Was ist für Euch Integration?

Vladi: Integration ist für mich das Anpassen zwischen zwei Gruppen. Die Ausländer passen sich an und umgekehrt. Generell sollte aber einmal gegenseitiger Respekt vorherrschen.

Güven: Man muss sich beispielsweise auch anpassen, wenn vom Land in die Stadt zieht. Ich meine, ich leiste auch meinen Beitrag, gehe Arbeiten, zahle Steuern, war beim Heer, usw. Was erwartet man noch?

Mei Sound: Wie gehts mit eurer Musik weiter?

Johnny: Wir wollen weiter aus unserer Lebenswelt berichten und unterhalten, das Leben kann nämlich auch ganz schön sein (lacht). Man muss nicht in die Gangsterszene wecheseln, um guten oder vielleicht erfolgreichen Hip Hop zu machen. Wir wollen einfach offen sein für alles, "fresh" sein, wie es bei uns heisst. Vadi bringt uns mit seinen kreativen Ideen, momentan sind es Asia- Beatz, eh immer wieder auf neue Ideen.

Güven: Wir werden die Welt wahrscheinlich nicht verändern, aber alle die uns hören, positiv beeinflussen. Heuer wollen wir noch eine Tour organisieren, wir haben schon ein paar Connections aufgestellt.

Johnny: Der richtige Hip- Hop, also abseits vom Gangster- Gepose, soll wieder belebt werden, wir wollen die Skills und die Kunst in den Vordergrund stellen, und nicht das Gepose!

Mei Sound: Zum Abschluss noch: Was war bisher der coolste Moment für euch als Band?

Güven: Eigentlich ist es jetzt, weil ich das Gefühl habe, dass uns die Leute langsam verstehen!

 

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Aktualisiert:

07
2017

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