Frank Turner


Michael Kliber und Frank Turner

Frank Turner steht Mikel Klieber Rede und Antwort

Frank herzlich Willkommen in Innsbruck. Du warst zwar schon einige male in Österreich aber noch nicht in Tirol, oder?

Frank: Das stimmt. Die Band und Ich hatten schon viele tolle Auftritte in Österreich. Ich möchte mich jetzt nicht auf ein Lieblings Konzert festlegen, aber Graz war immer wunderbar. Wir spielten den Song „Four Simple Words“ zum ersten Mal im PPC und waren wirklich nervös. Aber die Leute sprangen rauf und runter und feierten mit uns den neuen Song – Feuertaufe bestanden und seitdem ist der Song ein Fixpunkt. Tirol ist wirklich wunderschön, ich hatte heute Mittag Zeit für einen kleinen Spaziergang durch Innsbruck, du musst wissen ich bin richtig verrückt nach Geschichte und davon hat Innsbruck eine Menge.

Tirol ist ja ein richtiges Wintersportland, kannst du Skifahren?

Frank (lacht): Naja, ich habe es ausprobiert. Als Kind war ich sogar auf einer Skiwoche, aber ich musste sehr schnell feststellen dass dieser Sport nichts für mich ist. Ich lag ziemlich viel im Schnee herum.

Kommen wir zur Musik. Deine Wurzeln liegen ja in der etwas härteren Gangart, du warst ja lange Zeit Mitglied der Hardcore Punk Band Million Dead, jetzt bist du Solo am Start und hast einen sehr nach Folk klingen Sound. Warum diese drastische Veränderung?

Frank: Ich glaube dass in meiner Musik noch einige Elemente des Punk Rocks enthalten sind und es geht doch vor allem um den Rock’n Roll (lacht). Aber im Ernst: Man sollte doch das machen was einem Spaß macht und nicht darüber nachdenken was andere Menschen über einen denken könnten. Ich hatte eine Zeit wo ich fast ausschließlich Hardcore Musik gehört und gespielt habe, ich hatte einige Bands und mit The Million Dead war ich auch einigermaßen erfolgreich – in Großbritannien versteht sich - aber die Band löste sich auf und wir konnten uns nicht mehr leiden. In dieser Zeit brauchte ich eine Veränderung. Ich fing an Bruce Springsteen und Bob Dylan zu hören, was etwas komplett anders war als das was sonst so in meinem Plattenspieler rotierte. Ich fasste den Entschluss solo zu starten, nur ich und meine Gitarre. Und schon die ersten Shows fühlten sich richtig gut an. Und nun sitzen wir hier. Das war die kurze Version (lacht)

Du hast in einem Interview erwähnt, das dich kein Album mehr beeinflusst hat als Springsteens erstes Solo Werk „Nebraska“.

Frank: Yeah, Nebraska ist ein wirklich wichtiges Album für mich. Bevor ich diese Platte hörte dachte ich um richtig hart zu sein muss man laut aufdrehen, verzerrt spielen und schreien. Ich realisierte bald dass man auch leise sehr hart sein kann. Diese Platte ist verdammt nochmal hart und intensive. Im ersten Song der Platte singt Springsteen: „They wanted to know why I did what I did, well Sir I guess there’s just a meanness in this world“ – das ist harte intensive Musik.

In deinem Song „Try This At Home“ gibt es diese eine Zeile: „Because there's no such thing as rock stars there's just people who play music and some of them are just like us and some of them are dicks......“.

Frankt (lacht laut auf): Ja zu dieser Zeile stehe ich immer noch. Ich kann nichts damit anfangen Leute anders zu behandeln nur weil ich Gitarre spiele. Manieren sind verdammt nochmal Manieren egal wie berühmt man mit der Zeit wird und die Entschuldigung „Ich bin in einer Band und daher kann ich ein Arschloch sein“ zieht nicht. Für mich ist es wichtig eine Verbindung mit meinen Fans herzustellen, darum treffe ich mich vor und nach den Shows mit den verschiedensten Leuten. Wir sind doch alles Menschen und Musiker sind sicher keine fremdartige Rasse aus einer fernen Galaxie.

Jede Generation hatte ihre Folkmusiker. Die Leute in den 40igern hatten Woody Guthrie, danach kam Bob Dylan und heute haben wir Frank Turner. Sieht fast so aus als währe die Folk Musik etwas für die Ewigkeit?

Frank (Lacht und überlegt kurz): Die Bedeutung von Folkmusic hat sich in den letzten Jahrzehenten verändert. Vor dem 20. Jahrhundert war Folkmusic so ähnlich wie die heutige Popularmusik. Die Musik der einfachen Leute die in den Fabriken oder auf den Feldern arbeiteten. Es war traditionelle Musik. Und das interessante an dieser ursprünglichen Form war, dass man meist nur den Titel kannte und nicht den Verfasser. Dass der Song selbst wichtiger als der Künstler ist finde ich eine großartige Idee. Dylan frischte diese Musik mit neuen Ansätzen auf und heutzutage gibt es eine große Diskussion was noch Folkmusic ist. Für mich ist Mr. Brightside von den Killers ein moderner Folk Song – du kannst in jede Londoner oder Innsbruck Bar gehen und Mr. Brightside singen und die meisten Leute würden sofort mitsingen und genau das macht doch einen Folk Song aus, oder nicht? Und dann gibt es auch noch die traditionelle Folkmusic, Songs die es schon seit einer halben Ewigkeit gibt und kein Mensch mehr weiß wer den Song eigentlich geschrieben hat, außer man hat einen Abschluss in Folkmusic und eine verdammte Pfeife. (lacht) Diese Art von Musik gehört in ein Museum, ja es ist traditionelle Folkmusic ABER es ist nicht gleich Folkmusic. Ach ich könnte darüber Stundenlang diskutieren und das habe ich auch schon mit vielen Freunden.

Auf deinem letzten Album „Tape Deck Heart“ war die Zeit nach einer Beziehung ein großes Thema für dich.....

Frank: Du musst wissen ich bin ein großer Fan von „Breakup Records“ wie zum Beispiel „Tunnel Of Love“ von Bruce Springsteen. Die Idee hinter „Tape Deck Heart“ war ein Album über das Ende einer Beziehung, aber nicht im herkömmlichen Sinn. Die meisten solcher Platten erzählen die Beziehung aus der Sicht des Opfers. Ich wollte Songs aus der Sicht des Täters schreiben. Und ich hatte schon Beziehungen die wegen mir in die Brüche gingen, da gab es keinen Zweifel es war meine Schuld. Das neue Album ( Positive Songs For Negative People erscheint Ende 2015) ist eine Reaktion auf Tape Deck Heart. Es handelt davon eine schlechte Zeit zu haben und zu überleben. Die Zeit um Tape Deck Heart war nicht immer leicht. Vorher war ich ein halbwegs bekannter Untergrund Musiker und plötzlich stehe ich in Großbritannien und in den USA in den Charts, ich war plötzlich eine Person des öffentlichen Lebens. Ich war Mainstream und es gibt keine Schule für solch einen Moment. Weißt du was ich meine? Alles was man jemals auf Facebook oder Twitter gepostet hat ist plötzlich relevant. Es gibt Leute die Spaß daran haben diese Posts zu zerreißen. Die Sache ist die, wenn du in einer kleinen Band bist dann kennen dich die Leute die dich mögen, dass ist in der Mainstream Musik leider nicht so. Und wenn du es ins Radio geschafft hast oder größere Shows spielst dann kennen dich auch Leute die dich nicht mögen und die haben Facebook und Twitter und wollen es dich unbedingt wissen lassen (lacht).

Wie reagieren deine alten Freunde aus den Hardcoretagen auf deinen Erfolg?

Frank: Die Sache ist die.....lass es mich anders ausdrücken. Das erste mal als mich jemand als „Sell Out“ bezeichnet hat, war als ich mit The Million Dead auf Tour war und wir einen Van mit Sitzen fuhren (lacht) Ich kann auf eine erfolgreiche Zeit ins Großbritannien zurückblicken und darauf bin ich sehr stolz. Wenn jemand zu mir kommt und meint „Hey, du hast dich ja verändert“ dann entgegne ich dass es im ganzen Leben um Veränderung geht. Wenn ich jahrelang auf Tour bin und danach zurückkommen und ich mich nicht verändert habe, dann habe ich etwas verdammt falsch gemacht. Das würde ja bedeuten das ich an nichts neuem interessiert bin und auch nichts mehr lernen möchte.

Jetzt bin ich auch schon bei meiner letzten Frage angekommen Frank. Hast du einen Tipp den du jungen Bands bzw. Songschreibern mit auf den Weg geben kannst?

Frank: Ich glaube ich könnte dir jetzt eine richtige lange Liste mitgeben, müsste aber hinzufügen dass diese sicher nicht aktuell ist, da wir in einer Zeit leben wo sich auch die Musik/ das Musikgeschäft sehr schnell verändert. Eines bleibt aber immer gleich. Die Einstellung muss passen. Wenn du nur versuchst in eine Band zu kommen für das schöne und gemütliche Rockstarleben dann kannst du gleich zuhause bleiben. Eine Band ist richtig harte Arbeit. Und du solltest es lieben weil es harte Arbeit ist und wenn es sich so anfühlt, dann weißt du dass du alles richtig machst. Es gibt Musiker die nur herumsitzen und warten bis sie von einem großen Plattenlabel entdeckt werden. Das ist heutzutage nicht mehr nötig, das Internet eröffnet ganz neue Welten und kann dich weiter bringen als du glaubst. Steh jeden morgen früh genug auf und überleg dir noch vor dem Frühstück zehn Dinge die man machen kann damit mehr Leute etwas über die Band erfahren. Dann iss etwas, geh mit den Jungs in den Proberaum, nehmt euch die alten Songs vor, überdenkt jeden Teil nochmals, schreibt so viele Songs als möglich und arbeitet hart.

Danke für das Interview!

Das Interview führte Michael Klieber


Aktualisiert:

12
2017

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