AK Tirol und InfoEck informieren über Fallen und geben Tipps zur sicheren Internet-Nutzung



Der „Safer Internet Day“ ist ein europaweiter Aktionstag, der auf Initiative der Europäischen Kommission jährlich stattfindet – heuer fällt er auf den 7. Februar. Aus diesem Anlass machen AK Tirol und InfoEck-Jugendinfo Tirol darauf aufmerksam, welche Probleme und aktuellen Gefahren beim Surfen im Internet und in sozialen Netzwerken lauern. Bei Fragen helfen die Experten von AK Tirol und InfoEck den Familien gerne weiter.

Wussten Sie, dass Tiroler Kinder ihr erstes eigenes Smartphone im Alter von 8 bis 10 Jahren erhalten? Für Eltern ist meist der Sicherheitsaspekt der Grund für diese Entscheidung. Allerdings können viele Inhalte, die mit dem digitalen Medium zugänglich werden, die Kinder auch verstören und ihnen Angst machen oder aber zur teuren Kostenfalle werden.

Bei Fragen zum Schwerpunkt Mediennutzung, wie Mobbing, Lügen, Gerüchte, Pornografie, finden Eltern und Kinder Rat und Hilfe beim InfoEck - Jugendinfo Tirol, Kaiser-Josef-Straße 1, in Innsbruck und unter Tel. 0512/57 17 99 oder info@infoeck.at

Bei Fragen zu den verschiedensten Gaunereien und Kostenfallen sowie zu Vertragsabschlüssen im Internet helfen die Konsumentenschützer der AK Tirol in Innsbruck unter Tel. 0800/22 55 22 – 1818 oder konsument@tirol.com und in allen Bezirken gerne weiter.

Hier finden Sie die wichtigsten Infos zum Thema im Detail:

InfoEck informiert zur „Mediennutzung“

1. Jugendliche und Gerüchte im Netz

Das InfoEck ist Tiroler Koordinationsstelle für Saferinternet.at und informiert und berät Jugendliche sowie deren Angehörige auch zum Schwerpunkt „Mediennutzung“. Immer öfter erleben die Mitarbeiter die Auswirkungen der Falschmeldungen und Gerüchte, die über Medien vermehrt verbreiten werden, auf Jugendliche in Tirol. Besonders in sozialen Netzwerken schnell weit verbreitet, erreichen Falschmeldungen Kinder und Jugendliche, die sich täglich mit der Informationsflut auseinandersetzen.

Weil das Problem in ganz Österreich wahrnehmbar ist, wurden anlässlich des Safer Internet Day 2017 im Auftrag der Initiative Saferinternet.at österreichweit 400 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren dazu befragt, wie sie Informationen aus dem Internet bewerten. Dabei gaben mehr als die Hälfte der Jugendlichen an, soziale Netzwerke und das Fernsehen als wichtigste Informationsquellen zu nutzen. Jedoch nur 10 Prozent der Jugendlichen schätzen die Informationen aus den sozialen Netzwerken als glaubwürdig ein.

17 Prozent der Jugendlichen gaben sogar an, tagesaktuelle Themen von Youtubern zu beziehen, diese aber nur von 9 Prozent als sehr glaubwürdig eingeschätzt werden.

Die Herausforderung für Jugendliche besteht nun darin, in sozialen Netzwerken die richtigen Informationen von den falschen unterscheiden zu können. In diesen Ergebnissen wird ein Widerspruch deutlich: Soziale Netzwerke stellen für viele Jugendliche die relevanteste Quelle dar, in der sie sich über Neues informieren, obwohl die Informationen nicht immer glaubwürdig erscheinen. Welche Informationen als glaubwürdig eingeschätzt werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie den dazugehörigen Fotos und von wem die Informationen stammen.

Informationsbewertung muss gelernt werden

61 Prozent der befragten Jugendlichen empfinden die Informationsbewertung als große Herausforderung. Laut Umfrage glauben Jugendliche den Bildern mehr als geschriebenen Texten oder Gesprochenem. Das Problem liegt hierbei darin, dass Bilder sehr oft aus dem Kontext gerissen sein können und die jungen Leser das auf dem ersten Blick nicht erkennen. Genauso glaubwürdig erscheinen professionell gestaltete Videos. Diesen wird eher geglaubt als wenig qualitativen Handyaufnahmen. Um herauszufinden, ob ein Bild zum geschriebenen Text dazugehört, kann eine umgekehrte Bildersuche helfen. Dabei wird das Bild auf auf images.google.com oder www.tineye.com hochgeladen (durch Ziehen des Bildes in das Suchfeld) und nach dem Ursprung des Bildes gesucht.

Als weitere glaubwürdige Quelle empfinden Jugendliche ihre Freunde. Das erleben die Mitarbeiter des InfoEcks auch in ihrer täglichen Arbeit mit den jungen Menschen, wenn diese Geschichten erzählen und darauf beharren, dass diese richtig sind, weil sie von ihren Freunden geteilt oder erzählt wurden, und sie ihnen vertrauen. Das können beispielsweise dramatische Geschichten von Morden, Vermisstenmeldungen oder Terrorgefahr sowie Warnungen vor Inkassobriefen oder vermeintlich kostenlose Angebote zu beliebten Leistungen in Apps und Gutscheine sein, die durch Facebook und WhatsApp kursieren.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass 62% der Jugendlichen im Internet recherchieren, wenn sie sich nicht sicher sind, ob die Informationen richtig sind. Das bestätigt sich zwar auch in den Gesprächen mit Jugendlichen im InfoEck, jedoch ist die Recherche meist nur oberflächlich. Bei der Nutzung von Suchmaschinen, werden meist nur die ersten Treffer berücksichtigt, die zweite Ergebnisseite wird so gut wie nicht angeschaut. Zudem halten Jugendliche ihre Recherche häufig nur durch das Lesen der Überschriften, die in den Ergebnissen angezeigt werden, bereits als ausreichend.

Um Falschmeldungen zu erkennen, sollten Jugendliche zunächst Inhalte im Internet kritisch betrachten. Reißerische Überschriften mit dramatisierenden Bildern und Texten können Hinweise zu Falschmeldungen sein. Es kann auch hilfreich sein, zu hinterfragen, wer der Autor des Textes ist und für welches Ziel er damit verfolgt. Erscheint die Meldung nur auf einer Seite, die generell als nicht sehr vertrauenswürdigt gesehen wird, und ist nicht auf anderen Seiten auffindbar, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Falschmeldung mit dem Ziel, weit verbreitet zu werden und Menschen mitzureißen. Ist keine Quelle zum Text auffindbar oder die Information nicht ausreichend, um ihren Wahrheitsgehalt zu beurteilen, sollte der Verfasser sowie die Mitleser und Teiler des Textes darauf aufmerksam gemacht werden. Für offensichtlich falsche Informationen bieten bereits einige soziale Netzwerke Meldefunktionen, mithilfe derer die Nachrichten überprüft und gegebenenfalls gelöscht werden.

Unterstützung für Jugendliche beim Erlernen der Informationskompetenz

Unsere Gesellschaft und damit auch unsere Kommunikation verlagern sich immer mehr ins Internet und in soziale Netzwerke. Daher gewinnt die Fähigkeit, Informationen aus dem Internet richtig zu beurteilen und zu bewerten, immer mehr an Bedeutung, vor allem für jüngere Menschen. Das Erlernen dieser Fähigkeit muss im Alltag integriert und regelmäßig wiederholt werden. Hier sind vor allem die Schule und Eltern Vorbilder für ihre Kinder. Für Schulen bietet das InfoEck den Workshop „Raus aus dem InfoChaos“ an, bei welchem die Mitarbeiter den Schülern zeigen, wie im Internet gesucht werden kann und was es dabei zu beachten gibt.

Tipps für Eltern

  • Üben Sie anhand von bestimmten Beispielen gemeinsam mit ihrem Kind, wie Gerüchte im Netz entstehen und wie das Kind damit umgehen kann. Auf der Seite mimikama.at finden Sie aktuell beliebte Meldungen, die in sozialen Netzwerken geteilt werden sowie genauere Informationen bezüglich ihrer Richtigkeit und Seriosität. 
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es Quellen beurteilen und wie es richtig im Internet recherchiert um zu überprüfen, ob es sich bei der Information um eine Lüge handeln könnte.
  • Bringen Sie dem Kind bei, wie es geeignete Suchbegriffe findet und so formuliert, dass es auf verlässliche Ergebnisse stößt. Zeigen Sie dem Kind kinderfreundliche Suchmaschinen, wie frag-finn.de, helles-koepfchen.de, etc.
  • Erklären Sie Ihrem Kind, wie Falschmeldungen, Phishing-Mails und falsche Gewinnspiele funktionieren. Erklären Sie, dass Kettenbriefe dazu da sind um viele Menschen zu erreichen und beim Anklicken der Links verstörende und angstmachende Bilder oder Viren bzw. Abschlüsse von Abonnements stecken können.
  • Das InfoEck – Jugendinfo Tirol informiert Jugendliche und Angehörige gerne persönlich, telefonisch oder per E-Mail zu dem Thema und stellt kostenlose Informationsmaterialen zur Verfügung. Weitere Informationen sowie Kontaktdaten finden Sie auf mei-infoeck.at

2. Gewalt und Pornografie am Smartphone des Kindes

Im Durchschnitt bekommen Kinder in Tirol ihr erstes eigenes Smartphone mit 8 bis 10 Jahren. Neben dem Sicherheitsaspekt, der für die Eltern meist der Grund des Kaufs eines Smartphones ist, sind die Kommunikation und die Selbstständigkeit, die dem Kind mit dem digitalen Medium mitgegeben wird, von großer Bedeutung für den jungen Nutzer. Doch genau diese zwei Aspekte können zur Folge haben, dass Kinder schon im frühen Alter auf Inhalte im Internet stoßen, die verstörend oder angstmachend auf sie wirken.

Wenn Privatsphäre frühere Aufklärung fordert

Mit dem eigenen Smartphone und Internetzugang haben Kinder die Möglichkeit, nach verschiedensten Dingen im Netz selbst zu suchen und beispielsweise unabhängig vom Fernsehprogramm und den Eltern Videos anzuschauen, Spiele zu spielen und sich mit Freunden auszutauschen. Beliebte Dienste wie Youtube, WhatsApp, Instagram und Snapchat werden dafür genutzt. Auf all diesen Plattformen kann es jedoch dazu kommen, dass Kinder und Jugendliche mit Werbung oder Meldungen konfrontiert werden, in denen Gewalt und Pornografie dargestellt werden.

Besonders bei jüngeren Kindern kann es zu Verunsicherungen und Ängsten kommen, wenn sie auf solche Inhalte stoßen. Die Auseinandersetzungen mit pornografischen oder Gewaltdarstellungen muss aber nicht absichtlich passieren. Eltern und Kinder berichten von Nachrichten, die sie von Freunden oder in Gruppen erhalten, in denen entweder diese Themen diskutiert werden oder Links eingefügt werden, hinter denen unseriöse Seiten stecken. Speziell während der Pubertät kann es zu dem Problem kommen, dass Freunde in einer WhatsApp Gruppe über das Thema Sexualität kommunizieren und ein Mitglied sich persönlich noch nicht damit auseinandersetzen würde aber das nun muss, um zur Gruppe dazuzugehören, weil es ansonsten zum Außenseiter wird.

Andere Darstellungen von Gewalt sind in Form von Kettenbriefen weit verbreitet. Neben freundlichen Nachrichten und Bildern, die meistens an eine große Anzahl an Kontakten weitergeleitet werden und damit Freude verbreiten sollen, sind auch Nachrichten im Umlauf, die darauf abzielen, Angst zu machen. Diese Nachrichten beginnen meistens mit der Vorstellung einer bereits verstorbenen Person, im Fall von Audio-Kettenbriefen soll diese bereits tote Person auch selbst die Nachricht erstellt haben. Es wird geschrieben, wie es zum Tod der Person gekommen ist und dass sie nun als Geist in der Nacht im Zimmer des Nachrichtenempfängers sein und diesen oder seine Familie umbringen wird, wenn er die Nachricht nicht binnen kurzer Zeit an eine bestimmte Anzahl von Menschen weiterleitet. Während Erwachsene solche Nachrichten als Lüge erkennen, können viele Kinder und Jugendliche nicht einschätzen, ob es sich bei den Nachrichten um Wahrheiten handelt und wissen daher nicht, wie sie reagieren sollen. Aus Angst vor dem Tod schicken deshalb einige Kinder die Nachrichten weiter und hoffen damit, in Sicherheit zu sein.

Unabhängigkeit des Kindes schließt Verantwortung der Eltern nicht aus

Die Mitarbeiter des InfoEcks beschäftigen sich häufig mit Eltern, die von Nacktfotos erzählen, welche ihre Kinder von Freunden geschickt bekommen oder selbst vom Kind weitergeschickt werden. Häufig gehen solche Bilder durch die ganze Schule, in welche das Kind geht und können so gut wie nicht vollständig aus dem Internet entfernt werden. Wenn auf dem Bild eine nackte minderjährige Person dargestellt ist, dann handelt es sich um Kinderpornografie, was rechtliche Konsequenzen für jeden Besitzer des Bildes zur Folge haben kann. Wichtig ist hierbei, dem Kind klarzumachen, dass es solche Bilder umgehend den Eltern oder der Schule melden und die Bilder löschen muss. Wird das Bild nicht gelöscht, können Eltern von noch nicht strafmündigen Kindern in besonderen Fällen dafür belangt werden.

Tipps, wie Eltern das Thema „Gewalt am Smartphone“ mit Kindern behandeln können:

  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind bereits vor dem Kauf des Smartphones über mögliche Gefahren, auf welche es im Internet und in Apps stoßen könnte
  • Lernen Sie mit dem Kind mit: Interessieren Sie sich für die Aktivitäten des Kindes um herauszufinden, wie bestimmte Dinge funktionieren und welche Risiken dahinter stecken könnten
  • Sprechen Sie problematische Themen ohne Anlass an! Auch wenn sich Ihr Kind noch nicht offiziell mit Pornografie auseinandergesetzt hat, können Sie ihm darüber erzählen, weil es früher oder später, zum Beispiel auch auf Handys ihrer Freunde, darauf stoßen kann. Erklären Sie ihm, dass Pornografie nicht der Realität entspricht und Sexualität darin völlig verzerrt dargestellt wird.
  • Informieren Sie ihr Kind über mögliche rechtliche Konsequenzen, die auf das Kind oder auch auf Sie zukommen können, wenn das Kind z.B. über das Internet mobbt oder auch nur Teil einer Gruppe ist, in der gemobbt wird.
  • Ihr Kind ist laut dem Jugendschutzgesetz vor jugendgefährdenden Inhalten zu schützen. Dazu zählen die Darstellungen von Gewalt, Diskriminierung und Sexualität, die sich verstörend auf die Entwicklung des Kindes auswirken können.
  • Achten Sie auf Alarmsignale des Kindes: Wenn Sie merken, dass Ihr Kind sich anders verhält als sonst, sich mehr zurückzieht oder sich die Beschäftigung mit dem Smartphone auffällig steigert, sprechen Sie es offen darauf an und seien Sie Vertrauensperson für Ihr Kind.
  • Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes ernst! Auch wenn Sie über die Kettenbriefe lachen könnten, können Sie ihrem Kind große Angst machen. Nehmen Sie ihm diese Angst weg, indem Sie ihm zum Beispiel von Kettenbriefen erzählen, die Sie als Kind in Form von handgeschriebenen Briefen erhalten haben und recherchieren Sie im Internet um dem Kind zu beweisen, dass die Kettenbriefe Fakes sind.
  • Probieren Sie Kinderschutz-Apps aus. Besonders bei jüngeren Kindern können Kinderschutz-Apps helfen, die jungen Nutzer vor unangenehmen Seiten zu schützen. Sie können mit diesen Apps zum Beispiel bestimmte Apps sperren, eigene für Kinder entworfene Suchmaschinen einstellen und die Nutzungszeit einstellen. Das Schließen solcher Apps funktioniert meistens mit einem Passwort, mit dem Sie wieder zur Standard-Benutzeroberfläche des Smartphones gelangen. Eine Übersicht über Kinderschutz-Apps finden Sie auf saferinternet.at
  • Vereinbaren Sie gemeinsame Regeln bezüglich der Dauer der Smartphone-Nutzung, der Veröffentlichung von Fotos, Videos und anderen Informationen Ihres Kindes im Netz und seiner Reaktion auf unangenehme Inhalte.
  • Bei weiteren Fragen oder Problemen können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und dem Smartphone ins InfoEck in Ihrer Nähe kommen.  

 Mehr dazu auf ak-tirol.com und mei-infoeck.at


Aktualisiert:

09
2017

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