Eduardo Rabasa - Der schwarze Gürtel


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Allgemein

Titel: Der schwarze Gürtel
Autor: Eudardo Rabasa
Übersetzt von: Hans-Joachim Hartstein
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Antje Kunstmann Verlag
Seitenzahl: 399 Seiten
ISBN: 978-3-95614-230-7
Preis: € 24,00 (D) € 24,60 (A)


Autor

Eduardo Rabasa wurde 1978 in Mexiko Stadt geboren und ist neben seiner Tätigkeit als Autor noch Verleger und Journalist. Unter anderem schreibt er eine wöchentliche Kolumne für die Tageszeitung Milenio. Zudem übersetz er Bücher von Morris Berman, David Hume, Somerset Maugham und George Orwell. „Der Schwarze Gürtel“ ist sein zweiter Roman.


Handlung

Fernando Retencio ist ein strebsamer, fanatisch-ehrgeiziger Angestellter der Consultingfirma Soluciones, die – wie der Name unschwer erkennen lässt – auf Problemlösungen spezialisiert ist. Sein Ziel ist es, den „Schwarzen Gürtel“ zu bekommen, der an den besten Mitarbeiter verliehen wird. Dazu gibt es im Foyer der Firma eine zentrale Anzeigentafel, die das Ranking der Mitarbeiter auflistet. Ganz besessen von dieser Anzeigentafel starrt sie Fernando jedes Mal beim Vorbeigehen an, in der Hoffnung einen Platz weiter nach oben gerückt zu sein. Wer bei Soluciones jedoch nicht den gewünschten Erfolg erzielt, der wird von cheerleaderähnlichen Mädchen mit fröhlichem Gesang und einer fristlosen Entlassung hinausbegleitet. Daher strebt jeder der Angestellten den heiligen Gürtel der Firma an und steht in ständiger Angst zu versagen. Was sich jedoch genau hinter diesem schwarzen Gürtel verbirgt weiß keiner, auch der Big Boss bleibt während der ganzen Geschichte verdeckt. Zwar sprechen die verschiedenen Charaktere hin und wieder von ihm, persönlich tritt er jedoch nicht auf. Fernando Retencio strebt fanatisch auf die Spitze zu und ist dabei besessen von seiner Karriere. Daher ist ihm auch jedes Mittel recht um seine Fälle zu lösen. Darunter ist beispielsweise ein Profiboxer namens „Buddha“, der zum Buddhismus bekehrt ist und daher nicht mehr den gewalttätigen Sport ausüben will, oder ein scheinbar genialer Autor, der Hilfe für seinen nächsten Roman sucht. Um seinen Klienten zu „helfen“ veranstaltet er gemeinsam mit dem Hausmeister Dromundo skurrile Schauspielereien. Dromundo ist sein kleines Helferlein, den er weder mit Respekt noch Anstand behandelt. Viel mehr ist er sein persönlicher Sklave, der alles tut, was er von ihm will. Als „Dank“ gibt er ihm ab und zu Salbe für seine eiternden Geschwüre am Kopf. Jedoch nimmt seine Karriere eine abrupte Wendung, denn er wird entlassen. Nebenbei kriselt auch noch die Ehe mit seiner Frau Karla aufgrund seiner übertriebenen Eifersucht, die sich auch auf sein Sexualleben mit ihr und teilweise anderen Frauen auswirkt. Eine wichtige Rolle spielt hier die Frau mit einer Narbe am Knöchel. Diese ist eine scheinbare Kindheitsfreundin, die er aus den Augen verloren hat. Nun arbeitet sie in einem „Gentlemen’s Club“, der auch allerlei wunderliche Dinge zu bieten hat. Darunter ein Käfig mit einer Schlange sowie einem dauerhaft klingelndem Telefon. Alles sieht danach aus, dass Fernando völlig gescheitert ist. Um seine Karriere und die Ehe zu seiner Frau jedoch zu retten, ist ihm praktisch jedes Mittel recht…


Persönliche Meinung

Der „Schwarze Gürtel“ ist ein sehr skurriler Roman, der nicht vor bitterbösem Zynismus zurückschreckt. Überspitzt erzählt Eduardo Rabasa von einem modernen Unternehmen, das auch an verschiedene große Firmen unserer Zeit erinnert. Im Vordergrund steht die Brutalität des Wettbewerbs, nicht zwischen verschiedenen Firmen, sondern der interne Wettbewerb zwischen den einzelnen Mitarbeitern. Diese schenken sich gar nichts und lachen sich auch noch gegenseitig aus, wenn sie entlassen werden. Auch die Auswirkung des krampfhaften Strebens nach Karriere auf das Familien- sowie Sexualleben zeigt der Autor auf höchst absurde Weise. An manchen Stellen erschrickt man fast schon, da er sich kein Blatt vor den Mund nimmt und auch recht „unappetitliche“ Themen anschneidet. Für mich persönlich war der satireartige Roman an einigen Stellen fast schon zu platt. Zwar erkennt man, dass die figurale Darstellung sehr überspitzt dargestellt ist, jedoch werden die Figuren zu sehr in klischeehafte Schubladen gesteckt. Die Firma mitsamt Konzept wird von den Protagonistem kaum reflektiert und ist das überdimensionale Böse, aus dem die Charaktere nur ausbrechen können, wenn sie gefeuert werden. Auch die Darstellung der einzelnen Figuren und ihr Wandel innerhalb des Romans sind nur wenig ausgeführt. Interessant sind die seltenen Rückblicke in Fernandos Kindheit, die sich um seinen alkoholkranken Vater drehen. Jedoch wird diese Beziehung nur angerissen und nicht weiterverfolgt. Als sich Fernando am Ende des Romans dann völlig seinem Wahn hingibt und die Spannung ins Unermessliche gesteigert wird, endet der Roman dann abrupt mit einem sehr unbefriedigenden, offenen Schluss, der nicht nur eine Frage offen lässt.


Das Buch wurde von der Buchhandlung liber wiederin zur Verfügung gestellt


Aktualisiert:

09
2021

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