Interview mit Krimipreisträgerin Ursula Poznanski


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Ein besonderes Highlight gab es letzte Woche für unsere Jugendredakteurin Berit Neumayr. Sie sprach mit der diesjährigen Preisträgerin des österreichischen Krimipreises Ursula Poznanski. Diese erhielt im Rahmen des 2. Krimifest Tirol nicht nur ihre Auszeichnung als österreichische Krimiautorin 2018, sondern las auch aus ihrem neuesten Werk Thalamus.

 

Könnten Sie sich kurz für die Leser und Leserinnen vorstellen?

Ursula Poznanski:
Gerne! Mein Name ist Ursula Poznanski, ich komme aus Wien und ich schreibe sowohl Bücher für Jugendliche, als auch für Erwachsene – beides im Spannungsbereich. Ich finde es da immer ein bisschen schwierig, zu sagen, ob es Krimi oder Thriller ist, aber es ist auf jeden Fall immer irgendwie ein Spannungsroman. Ja, und ich bin jetzt schon zum zweiten Mal hier beim Krimifest Tirol und es ist richtig schön hier.

Danke! Sie haben ja den Österreichischen Krimipreis gewonnen. Gratulation! Wie fühlte es sich an, als Sie davon erfuhren?

Ursula Poznanski:
Also ich weiß es ja schon ein bisschen länger, ich hab es nur bisher noch niemandem sagen dürfen. Aber mich hat der Bernhard Aichner dann irgendwann einmal angerufen und hat gesagt „Überraschung, Überraschung!“. Ja, das ist schon superschön, es ist wirklich immer eine tolle Sache. Man muss es dann für einige Zeit noch für sich behalten und wenn man es dann endlich sagen darf, ist es fast so, als ob man es noch ein zweites Mal bekommt! Wirklich schön.

Nun habe ich ein paar Fragen zu „Thalamus“, Ihrem neuesten Jugendroman, überlegt. Als erstes: Wann, wo und wie ist denn so der Anfangsgedanke dafür entstanden?

Ursula Poznanski:
Bei dem Buch weiß ich es gar nicht mehr so genau, muss ich ehrlich zugeben. Wenn ich mich richtig erinnere – ich war ja Medizinjournalistin und bekomme da immer noch von allen möglichen Forschungseinrichtungen, Universitätskliniken und sonstigen medizinischen Institutionen Pressemeldungen geschickt. Und ich glaube, dass es da eine Pressemeldung gegeben hat, die mit dem Thema ein bisschen zu tun hatte, das Thema das ich jetzt nicht genauer erkläre ;-) Ich glaube, dass es das war. Aber das hat dann auch nicht gleich eingeschlagen, so „Hey, das ist jetzt deine Idee!“ sondern es hat eher so langsam gearbeitet und das ist mir dann irgendwann wieder eingefallen, dass man das ja eigentlich ganz gut machen könnte, etwas Medizinisches schreiben, etwas, das mit Gehirn zu tun hat.

In „Thalamus“ kann ja Timo nach dem Unfall nicht sprechen. Auf welchen Sinn (sehen, sprechen hören) könnten Sie am wenigsten verzichten?

Ursula Poznanski:
Puh, ich glaube, nichts zu hören fände ich schlimm, weil ich auch Musik so gerne mag. Aber sehen wäre auch übel. Am wenigsten… Ich vermute fast hören. Wobei, es ist schwierig, ich kann mich sehr schwer zwischen Hören und Sehen entscheiden. Beides wichtig, würde ich beide nicht gerne missen… Vielleicht doch Sehen, weil dann könnte ich Autofahren auch nicht mehr. Ich würde aber gerne beides behalten!

Noch ganz kurz: Es sind ja natürlich alle Charaktere interessant, ich habe aber besonders Carl und Mona von den Nebencharakteren toll gefunden. Haben Sie auch so einen „Liebling“ in diesem Buch?

Ursula Poznanski:
Ich mag die beiden, Carl und Mona, tatsächlich auch sehr gerne, speziell den Carl, weil ich immer Figuren mit Humor mag. Also welche, die das Leben nicht so ernst nehmen und, auch wenn es ihnen eigentlich schlecht gehen könnte und sie jammern könnten, das Ganze von der positiven Seite sehen und dann andere auch noch mit-aufbauen.

Und allgemein – von allen Ihren Büchern?

Ursula Poznanski:
Allgemein glaub ich mag ich die Ria ganz gerne, aus der Trilogie (Eleria-Trilogie: „Die Verratenen“, „Die Verschworenen“, „Die Vernichteten“), weil erstens habe ich sie über drei Bücher geschrieben und zweitens in der Ich-Perspektive, was einen dann nochmal näher an die Figur heranbringt und dann fand ich das so toll, ein Mädchen zu schreiben, das so richtig clever und klug ist und nicht darauf angewiesen ist, dass da jetzt irgendwo der Held kommt und sie rettet, sondern die das wirklich ziemlich alleine hinbekommt, und das mochte ich wirklich sehr.

Ja, sie ist wirklich cool! Dazu gleich meine nächste Frage: In ihren alleinstehenden Jugendbüchern sind eigentlich fast immer Burschen die Protagonisten -außer in „Aquila“- gibt es dafür einen Grund oder „passiert“ es einfach so?

Ursula Poznanski:
Es passiert. Wenn ich so die Idee habe, dann hab ich meistens auch noch so eine Vorahnung, ob sich das besser aus Mädchen- oder Burschensicht erzählen lässt. Und da mach ich dann auch meistens keine Änderungen mehr. Also wenn ich das Gefühl habe, das ist eher eine Geschichte, wo ein Bursche im Vordergrund stehen muss, dann mach ich das auch. Außerdem finde ich es recht fein, weil es eh relativ wenige Bücher gibt, wo die Burschen eher eine Identifikationsfigur finden. Nachdem Mädchen mehr lesen, werden die meisten Jugendbücher auch auf Mädchen „hingeschrieben“ und ich glaube da dann Bücher zu finden, die die Jungs auch interessieren ist gar nicht so leicht. Von daher bin ich immer ganz froh, wenn es ein männlicher Protagonist ist, einfach auch, um dieses „Loch“ ein bisschen zu füllen. Aber zum Beispiel, wenn man jetzt „Elanus“ hernimmt, der fängt an, mit seiner Drohne Leute zu stalken. Das wäre eine völlig andere Geschichte, wenn das jetzt ein Mädchen wäre, die dann mit der Drohne Leute ausspionieren würde. Mir geht es auch gar nicht um das Technische, aber es wäre eine ganz andere Geschichte geworden. Und umgekehrt, wenn ich in „Aquila“ einen Burschen hergenommen hätte, wäre es auch eine ganz andere Geschichte geworden. Also, es passt dann einfach das Eine oder das Andere besser zu dem, was ich erzählen möchte.

Gibt es in Ihren Büchern immer wieder autobiografische Inhalte?

Ursula Poznanski:
Wenig, also aus meiner eigenen Biografie pack ich da eigentlich gar nichts rein, also das was in den Büchern vorkommt ist deutlich spannender als mein Alltag. Nein, was ich ganz gerne reintue sind Sachen, die ich gerne esse, die lass ich sie dann eventuell auch essen, oder Musik, die ich gerne höre, lass ich dann so im Hintergrund laufen, also das hören die dann auch. Wobei das mach ich fast mehr in den Romanen für Erwachsene, aber ab und zu kommt auch bei den Jugendbüchern ein Musikstück rein, das ich gerne mag. Also in „Aquila“ hat das ja zum Beispiel auch funktioniert. Also eher solche Kleinigkeiten. Oder ich lasse sie irgendwo hingehen, wenn ich einen Ort kenne, wo ich mir denke, dass es mir da total gut gefallen hat. Aber nichts, was jetzt meine eigene Geschichte angeht und auch nicht so, dass ich Personen, die ich kenne, mitreinpacken würde.

Nun ein paar Fragen zum Schreiben: Was ist dabei für Sie am schwierigsten? Was mögen Sie am liebsten? Und gibt es für Sie auch Lieblingszitate oder Sätze, auf die Sie stolz sind?

Ursula Poznanski:
Ich beantworte gleich die letzte Frage zuerst: Ja! Es gibt dann immer so Sätze, bei denen ich mir denke: „Ha, der ist schön!“, es gibt aber natürlich auch das andere, Sätze, bei denen ich mir denke: „Hilfe – ändern!“. Also das gibt es beides.
Was mir am schwersten fällt sind diese Szenen, die sein müssen, die aber jetzt a priori nicht besonders spannend sind. Also wenn man weiß, von der Logik her muss diese Szene jetzt rein aber eigentlich birgt sie die Gefahr in sich, fad zu sein. Und das schreibt sich dann auch meistens schwierig. Weil ich ja dann doch versuche, irgendetwas einzubauen, das die Sache noch interessant oder zumindest kurzweilig macht. Aber am schwierigsten zu schreiben sind eigentlich immer die Passagen im Buch, wo nicht viel passiert, weil sobald viel passiert, schreibt es sich eh fast von selbst. Was ich am liebsten schreibe, sind erstens einmal meine „Showdowns“. Erstmal bin ich dann fast fertig und das ist schon einmal ein gutes Gefühl, das heißt ich hab das Buch schon fast. Und zweitens muss man da dann nur mehr alles aufräumen, was man vorher schon so hingepflanzt hat. Und dann mag ich auch noch sehr gerne die Stellen, wo ich meine Hinweise oder auch die falschen Hinweise verstecke. Das macht immer total viel Spaß, wenn ich dann dasitze, tippe und mir dann denke: „Jetzt werden sie alle glauben, es ist so, aber…!“ Also das sind so die Lieblingspassagen, die mir Riesenspaß machen.

Ganz etwas anderes: Gibt es die Möglichkeit, dass eines Ihrer Bücher einmal verfilmt werden würde?

Ursula Poznanski:
Die Möglichkeit, ja. Also die gibt es. Es gibt auch immer wieder Filmfirmen, die sich interessieren für die Stoffe und sie optionieren – also so eine gewisse Summe zahlen damit sie (meistens für anderthalb bis zwei Jahre) das alleinige Verfilmungsrecht haben. Aber wenn sie es dann verfilmen, dann müssen sie diese Option ziehen – also mir die gesamte Summe für die Verfilmung zahlen – und wenn sie das nicht machen, dann fallen die Rechte an mich zurück und dann kann ich sie neu vergeben oder sie wollen die Option verlängern, dann müssen sie mir nochmal etwas zahlen. Also das passiert eigentlich recht regelmäßig, aber bis jetzt hat es noch nie so richtig geklappt. Das sehe ich aber wirklich entspannt, weil ich mir denke, es muss nicht sein. Bei manchen Verfilmungen denke ich mir, es wäre besser gewesen, sie hätten es nicht gemacht. Man hat halt dann wirklich kein Mitspracherecht mehr. Man gibt die Rechte ab und sie sind weg. Das heißt sie können dann machen, was sie wollen und das Einzige was ich vielleicht noch tun kann ist, meinen Namen zurückziehen. Dann ist es halt „nach einer Erzählung von …“ oder so ähnlich. Auf jeden Fall, das kann ich, aber sonst kann ich nix. Ich fände es schon spannend, wenn das einmal passieren würde, aber es ist mir nicht so sagenhaft wichtig.

Also nichts Konkretes.

Ursula Poznanski:
Noch nicht so, dass jetzt jemand anfangen würde, zu drehen oder zu casten. Nein, das nicht.

Weil wir gerade auch in einer Buchhandlung sind: Haben Sie schon einmal „undercover“ in einer Buchhandlung eines Ihrer Bücher empfohlen oder signiert?

Ursula Poznaski: (lacht)
Nein, beides noch nicht. Ist aber eine lustige Idee, besonders das Signieren. Es ist halt ein bisschen kritisch. Weil wenn ich jetzt hergehe und anfange zu signieren, dann sind diese Bücher nicht mehr remittierbar. Es ist ja so, dass Buchhandlungen Bücher bestellen und die bezahlen sie auch, aber wenn sie sehen sie verkaufen sich nicht oder sie haben zu viel bestellt, können sie sie an den Verlag zurückschicken und kriegen das Geld zurück. Das geht aber nicht mit Büchern in denen irgendetwas drinnen steht, die sind nicht mehr remittierbar und gelten als gebrauchte Bücher, die müssen sie dann verkaufen. Von daher weiß ich nicht, ob das so eine gute Idee ist.

Schreiben Sie jetzt (gerade bei den Jugendbüchern) lieber Einzelromane oder die Trilogie?

Ursula Poznanski:
Also ich habe die Trilogie super gerne geschrieben, weil es natürlich toll ist, wenn man dann beim zweiten Buch schon auf das Setting vom ersten Buch draufsetzen kann, aber das ist glaub ich keine Frage von was ich lieber mache, sondern von was die Geschichte braucht. Also bei der Trilogie war es so, dass ich gewusst habe, dass ich das nicht in ein Buch kriege, sondern das ist sinnvoll, wenn man es in drei Häppchen macht – auf drei ziemlich dicke Häppchen. Aber wenn ich jetzt eine Idee hab, bei der ich mir denke, dass ich das locker in circa 400 Seiten bekomme, dann blase ich es nicht zu einer Trilogie auf. Also das ist glaube ich mehr davon abhängig, welche Idee mir gerade unter den Nägeln brennt.

Und zum Schluss: Gibt es noch eine Frage, die Sie noch gerne beantwortet hätten?

Ursula Poznanski:
Nein, eigentlich nicht. Ich denke, wir haben ein schönes, buntes Spektrum an Fragen abgehandelt. Ich wüsste jetzt nichts, was ich mich selbst fragen würde. Nein, aber ich denke es fehlt auch nichts mehr.

Danke für das Interview!!!

Das Interview führte Berit Neumayr.


Aktualisiert:

11
2018

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