Elisabeth Herrmann - Zartbittertod


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Allgemein

Titel: Zartbittertod
Autorin: Elisabeth Herrmann
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: cbj Verlag
Seitenzahl: 475
ISBN: 978-3570165133
Preis: € 18,00 (D) / € 18,50 (A)


Die Autorin

Elisabeth Herrmann hat ursprünglich als Journalistin beim Fernsehen gearbeitet, bevor sie ihren Durchbruch als Autorin erlebte. Sie schreibt hauptsächlich Krimis und Thriller, sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche, aber auch Hörspiele und Drehbücher. Mit ihren Werken hat sie großen Erfolg, mehrere ihrer Bücher wurden bereits verfilmt und sie wurde auch schon mit einigen Krimipreisen ausgezeichnet.


Die Handlung

Das Foto ihres Urgroßvaters Jakob, der als Kind mit seinem Lehrherrn neben einem riesigen Nashorn aus Schokolade steht, hängt schon in der Chocolaterie ihrer Eltern, seit Mia sich daran erinnern kann, und es hat sie auch schon immer fasziniert. Als sie sich für eine Ausbildung an einer Journalistenschule entscheidet, muss sie, um aufgenommen zu werden, ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem sie die Geschichte hinter einem Familienfoto recherchiert. Keine Frage, dass sie sich für das Nashorn-Bild entscheidet. Sie weiß, dass Jakob in einer deutschen Kolonie in Afrika geboren wurde, aber sonst ist über seine Vergangenheit nichts bekannt, und Mia beginnt, sich Fragen zu stellen. Wieso hat der ehemalige Soldat, mit dem Jakob als Kind nach Deutschland gekommen ist, ihn mitgenommen? Was hatte er davon? Und warum weiß keiner in ihrer Familie mehr darüber? Als sie dann auf eine Kiste mit Habseligkeiten von Jakob stößt, beschließt sie kurzerhand, zu den Nachfahren jenes Soldaten zu fahren, um dort weitere Nachforschungen anzustellen. Aber sie merkt schnell, dass es jemanden zu geben scheint, der um jeden Preis verhindern will, dass sie mehr herausfindet, denn merkwürdige Vorfälle, die sie bei ihrer Recherche behindern, häufen sich und schließlich kommt es sogar zu einem Mord.


Persönliche Meinung

Das Buch wird als Thriller bezeichnet und weist auch die typischen Thriller-Merkmale wie zum Beispiel Verbrechen auf. Allerdings hat sich die Spannung bei mir eher in Grenzen gehalten. Es hat mich von Anfang an nicht wirklich angesprochen, aber ich hatte zuvor schon einige recht interessante Romane dieser Autorin gelesen; und auch die meisten Kritiken beschrieben den Roman als packend und lesenswert. Deshalb gab ich ihm eine Chance und ging davon aus, dass er mir früher oder später gefallen würde. Doch er hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich musste mich regelrecht zum Lesen zwingen und das hat sich im Laufe des Buches nur wenig gebessert.

Es fängt damit an, dass die Hauptfigur Mia in meinen Augen zu perfekt ist: klug, cool, hübsch, sympathisch, sportlich und ohne nennenswerte Makel.
Meine nächsten Kritikpunkte betreffen den Einstieg in das Geschehen. Mir erscheint Mias Interesse an der Geschichte ihres Urgroßvaters in manchen Punkten reichlich übertrieben – sie findet sie total merkwürdig und mysteriös, und es mag ja sein, das Jakobs Leben ungewöhnlich ist, aber nicht so sehr, wie es dargestellt wird.
Außerdem passiert alles auf einmal: Gerade als Mia beginnt, sich genauer für dieses Foto zu interessieren, finden ihre Eltern Jakobs Kiste, und noch in derselben Nacht stirbt eine Person, die eine zentrale Rolle spielt – so viele Neuigkeiten, dass es schon unrealistisch wirkt.
Noch dazu funktioniert das Buch nach einem Handlungsprinzip, das gefühlt in jedem zweiten Jugendthriller oder -krimi verwendet wird: Eine weibliche Protagonistin zwischen 16 und 20 stellt irgendwelche Nachforschungen an, lernt dabei die zweite Hauptfigur -einen gutaussehenden Jungen in ihrem Alter - kennen, sie stoßen gemeinsam auf irgendeine Art von Geheimnis, jemand will verhindern, dass jenes ans Licht kommt, die Protagonistin gerät in Lebensgefahr und wird von Hauptfigur Nummer 2 gerettet, alles klärt sich auf und die beiden kommen in einem kitschigen Epilog zusammen. Bei den ersten paar Büchern mag das ja noch interessant sein, doch mit der Zeit geht es einem auf die Nerven, weil man eh schon weiß, was passieren wird, und man will eine andere Art von Handlung, bei der man nicht nur vom weit hergeholten Ende und davon, wer der Mörder ist, überrascht wird.

Von der Handlung und dem Aufbau des Buches war ich also überhaupt nicht begeistert, in den meisten anderen Aspekten der Bewertung schneidet es dagegen ganz okay ab. Der Schreibstil ist in Ordnung, zwar sehr detailliert und oft mit recht vielen Informationen auf einmal, aber nicht unangenehm zu lesen. Was mich daran aber gestört hat, ist, dass die Autorin anscheinend versucht hat, „cooler“ zu klingen, indem sie englische Wörter einbaut, auch wenn es gar keinen Grund dafür gibt.
Auch die Figuren sind, obwohl teilweise nicht realistisch, recht gut ausgearbeitet und nicht nur oberflächlich angerissen.

Was mir entgegen meiner sonstigen Meinung sehr gut gefallen hat, ist der geschichtliche Hintergrund. Man bekommt, in die moderne Handlung eingebaut, einige interessante Informationen über die Zeit des Kolonialismus, die, soweit ich das beurteilen kann, auch stimmen. Auch wenn das dem Großteil der jugendlichen Zielgruppe vermutlich ziemlich egal ist, für mich hebt es das Gesamtbild des Romans.

Mein Fazit: Die Idee hinter dem Buch ist grundsätzlich gut, aber die Umsetzung dieser meiner Meinung nach nicht so gelungen. Wenn man bei Büchern nicht sehr wählerisch ist und es einem egal ist, wenn eine Handlung sehr klischeehaft ist, dann kann man mit „Zartbittertod“ nichts falsch machen. Denjenigen, die gern Bücher mit ungewöhnlichen Ereignissen, die einen immer wieder überraschen, lesen, kann ich jedoch nur davon abraten.


Aktualisiert:

11
2018

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