Jugendbegegnung Frankreich 2019


Erfahrungsbericht von Samira Merkel:

Zwei Tage nach der Europawahl und eine Woche nach dem Ibiza Skandal machten wir uns auf den Weg nach Brest zu der Jugendbegegnung „Let‘s break barriers“. Kein Thema scheint in den letzten Jahren so emotional diskutiert worden zu sein wie jenes der Migration. Wir, 5 junge Erwachsene aus Österreich waren gespannt was uns in Frankreich erwarten wird. Wie ist die Stimmung in den anderen teilnehmenden Ländern?

In Brest angekommen waren wir schon ganz sehnsüchtig nach dem Meer und umso glücklicher als wir quasi direkt am Strand in unserem Hostel angekommen sind. Schon am ersten Abend unternahmen wir mit den anderen TeilnehmerInnen aus Griechenland, Portugal und Frankreich einen Spaziergang am Strand. Da die Sonne soweit im Westen erst gegen 23 Uhr unterging, hatten wir noch genug Energie, um uns gegenseitig schon etwas kennenzulernen.

Schon nach einem Tag hatten wir die Namen aller ziemlich drauf und es fühlte sich in der Gruppe schon sehr vertraut an. Unvorstellbar, dass wir ein Tag zuvor noch „Fremde“ füreinander waren. Am Vormittag stellte jedes Land in einer Präsentation die Situation rund um das Thema Migration im eigenen Land vor und am Abend folgte ein echtes Highlight: Das Intercultural Dinner. Nach dem Probieren all der unterschiedlichen Köstlichkeiten starteten wir zuerst in einem Kreis mit dem Sirtaki und tanzten uns schließlich an dem Abend durch alle teilnehmenden Länder. Das Eis war nun wirklich vollständig gebrochen!

Welche Formen von Migration gibt es überhaupt? Was bedeutet Europa für uns? Was haben wir für Möglichkeiten uns persönlich in den öffentlichen Diskurs einzubringen und wie sollen wir mit der Frage von Seenotrettung auf dem Mittelmeer umgehen? Während der Jugendbegegnung haben wir unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Migration erhalten. Bei verschiedenen Workshops konnten wir am eigenen Leib erfahren wie es sich beispielsweise anfühlt diskriminiert zu werden oder privilegiert zu sein. Auch haben wir uns mit den eigenen Vorurteilen und Wertvorstellungen auseinandergesetzt. Besonders einprägsam war für mich die Erfahrung bei einem Theaterworkshop- Während eine Gruppe eine Szene über Unterdrückung darstellte, sollte sich die andere Gruppe einbringen und die Szene so verändern, damit die Unterdrückung aufgelöst wird. Auch ganz kleine und feine Veränderungen hatten eine immense Wirkung auf das große Ganze.

Am Ende der gemeinsamen Zeit war eine richtige Aufbruchstimmung spürbar. Wir haben gemeinsam Lösungen für ein besseres Zusammenleben gefunden: MigrantInnen eine Stimme geben, mit Initiativen unterschiedliche Menschen zusammenbringen, mehr öffentliche konsumfreie Begegnungsräume schaffen und vor allem einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen. Es sind ganz konkrete Projektideen entstanden, wie Bevölkerung und MigrantInnen gegenseitig voneinander profitieren können. So sind die einen beispielsweise unerfahrene Europäer, aber erfahrene Arbeiter und andersherum.

Am Ende glaube ich, haben wir alle verstanden, dass auch wir etwas verändern und gestalten können. Unsere Stimme ist wichtig und wird auch gehört. Der Abschied nach dieser intensiven Woche war traurig, doch dank social media werden wir sicher in Kontakt bleiben und uns bestimmt auch irgendwann gegenseitig besuchen. Die Barrieren haben wir definitiv gebrochen.


Aktualisiert:

10
2020

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