Jugendforum Kitzbühel
Von Jugendlichen etwas über Jugendliche zu erfahren - eigentlich das Normalste, das es gibt. Wer weiß besser über die eigenen Interessen Bescheid als man selbst. So gedacht wurde auch in Kitzbühel, wo ein eigenes Jugendforum sehr kreative Wege beschritt. Beteiligte selbst erzählen über den Verlauf dieses Vorhabens und zeigen einmal mehr auf, was Jugendliche entgegen allen Vorurteilen auf die Beine stellen können!

Kleinweise beginnen war das Motto beim Projektstart!
Kleinweise beginnen war das Motto beim Projektstart!
Einer der Jugendlichen (männlich, 18 Jahre alt) aus dem Startteam berichtet:
m18: Bei den einzelnen Sitzungen waren wir einmal mehr, einmal weniger, aber immer so, dass wir über Themen entscheiden haben können. Damals haben wir kleinweise angefangen.
m18: Unsere Ideen waren meistens sehr gut ausgearbeitet und haben Sinn gemacht und man fängt irgendwo arbeiten an und dann arbeitet man noch einmal drüber und dann hat man ein grobes Konzept und dann fängt man noch einmal von vorne an, damit man das Ganze ins Reine bringt, dann weiß man aber was los ist, einmal haben wir das dreimal neu geschrieben, dann weiß man aber, ob das funktioniert oder nicht. Andererseits ist das natürlich schon fein, wenn man weiß, man hat eine gewisse Geldsumme zur Verfügung, mit der man arbeiten kann. Das hängt wirklich davon ab, was man macht, wir haben keine spontanen Projekte gemacht, wir haben uns wirklich Zeit damit gelassen, wir haben die Projekte meistens groß gestaltet.
Jeder hat jemanden mitgenommen
Jeder hat jemanden mitgenommen
m18: Anfangs haben die Betreuerinnen diskutiert, dann haben sie das ausgeschrieben, vor 2 Jahren haben sie auch Umfragen gemacht, die meisten Jugendlichen in Kitzbühel hätten einen Brief bekommen sollen, aber ich habe keinen bekommen, aber es ist trotzdem zustande gekommen. Jeder, der wen gekannt hat, hat den auch eingeladen und wir haben immer eine konstante Gruppe gehabt von 12 bis 15 Leuten.
Es soll einmal bei uns etwas los sein…
Es soll einmal bei uns etwas los sein…
m18: Wir haben einmal gesagt, es soll einmal etwas los sein in der Stadt, deshalb haben wir eine Party arrangiert. Wir haben alles dekoriert, 2 Bands waren da, die waren sehr überraschend für uns, eher auf Metall, hat aber gut gepasst. Dann hatten wir einen DJ – Battle, zwischen Reggae und Techno immer so hin und her.
Öffentlichkeitsarbeit auch für die Teamförderung
Öffentlichkeitsarbeit auch für die Teamförderung
Ganz eine gute Idee hatte das Kitzbühler Jugendforum. Es konnte gleich einen Workshop organisieren in Zusammenarbeit mit Profis der Öffentlichkeitsarbeit. Dort wurde auch gleich hart daran getüftelt. Die Marke, die entsteht, sollte im Wesentlichen die Marke der Jugendlichen sein. Die Frage der Identifikation durch Partizipation ist hier eine sehr wichtige. Durch die Schaffung eines gemeinsamen Folders mit den Bildern der Teilnehmerinnen verfestigt sich das Team auch durch diese optische Unterstützung. So konnten sie sich selbst als Team wahrnehmen. Das schweißt natürlich zusammen und motiviert zusätzlich. Aber auch nach außen hin konnte gezeigt werden, „he, wir sind ein tolles Team und wir stellen etwas auf die Beine!“
m18: Das hat dann kleinweise angefangen zum Beispiel bei der Gestaltung unserer Plakate, auch von unserem Logo. Wir haben alles selbst entwerfen dürfen. Wir waren in Wörgl bei einem Mediendesigner, da waren wir 2 Tage dort und haben das alles selbst entwerfen dürfen. Zuerst haben wir Ideen gesammelt, Grundentwürfe für das Logo gemacht. In Wörgl haben wir dann alles ausgearbeitet.
m18: Die Plakate haben so einen kleinen Schockeffekt, ganz leicht mit Erklärung dahinter. Sie haben, unserer Meinung nach, positiv gewirkt, einen guten Effekt gehabt und die Leute haben gewusst, da ist irgendetwas. Da gibt es etwas Neues. Für uns war das sehr gut.
m18: Dann haben wir einen Kurzfilm hergestellt. Der dauert ungefähr 2 Minuten. Dafür hatten wir einen eigenen Workshop. Der war dann über das Jugendforum.
Eine sehr gute Idee: eine Jugendseite in einer Lokalzeitung gestalten
Eine sehr gute Idee: eine Jugendseite in einer Lokalzeitung gestalten
m18: Dann waren einige Zeitungsberichte über uns. Alle 14 Tage haben wir in einer Lokalzeitung eine Seite bekommen. Da haben wir so das alles gestaltet, verschiedene von unserem Team haben kleine Beiträge dort gestaltet, persönliche Eindrücke auch vom Jugendforum.
Mit einem Projekt beginnen: über Plakate zum Nachdenken anregen
Mit einem Projekt beginnen: über Plakate zum Nachdenken anregen
m18: Wir haben das so dargestellt bei unserem Plakatprojekt, dass behauptet wird, dass Jugendliche nur raufen, saufen, Drogen konsumieren oder sonstigen Blödsinn machen. Wir haben uns dagegen aufgestellt und haben gesagt: uns wird auch nicht viel an anderen Aktivitäten geboten. Das ist das Einfachste, was man machen kann, die Jugend einfach schlecht hinstellen. Wir haben das umgedreht und haben gesagt: wir rauchen, wir raufen, wir saufen und wir haben auch welche dabei, die Drogen konsumieren, aber aus dem Grund, weil wir keine anderen Möglichkeiten haben, weil jedem fad ist bei uns. So sind wir auch auf den Plakaten dargestellt. Es gibt aber bestimmt welche auch, die genug Möglichkeiten haben und sich trotzdem niedersaufen bis zur Vergasung.
Einmal etwas anderes: 24 Stunden Sitzungen
Einmal etwas anderes: 24 Stunden Sitzungen
m 18: Zwischendurch hatten wir einmal eine Klausur. Wir haben uns immer wieder ins Zeug gehaut. Zwischendrin hatten wir auch immer viele Ideen. Dann eine 24-Stunden Sitzung. Wir trafen uns auch oft persönlich. Der Vorteil gegenüber einem Betrieb ist, dass in einem Betrieb die Leute nur arbeiten und sich dann nicht mehr sehen außerhalb, da geht nichts, bei uns, weil wir uns persönlich kennen, gab es zwischendurch immer kleine Gespräche und das ist ein großer Vorteil und da ist auch immer etwas daraus geworden.
m18: Von 16:00 bis 16:00 Uhr, vier Leute haben ganz durchgemacht. Es ist rein von der Atmosphäre her toll. Man kommt herein, man fängt langsam an, man kommt hinein in das ganze Geschehen, man kommt hinein in die ganze Sitzung, man macht das, man macht aber doch gleichzeitig irgendetwas anderes.
m18: Mir haben angefangen Ideen zu sammeln, was wir vorhaben, haben alles auf den Tisch gelegt. Dann haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Das haben wir dann einzeln ausgearbeitet und haben das den Gruppen dann wieder gegenseitig erklären lassen. Wir haben über alles diskutiert, geplaudert und uns ausgetauscht und aus sehr vielen kleinen Ideen sind viele große Ideen entstanden wieder, wo ähnliche Sachen genommen worden sind, gleiche Sachen genommen worden sind und bis man zum Schluss knallhart alles rausgeschmissen hat, was relevant ist und was nicht relevant ist und das Beste, das was wir als Bestes empfunden haben, das ist übrig geblieben.
m18: Zwischendurch und nebenbei haben wir gegessen. Wir haben einmal Pizza geholt, das war dann eher nebenbei das Pizzaessen. Irgendwer hat dann noch Frühstück gebracht. Ich bin mir nicht sicher, woher die Grundidee gekommen ist, aber die Idee ist sehr gut. Vor allem für das gesamte Team, für die gesamte Gruppe eine ganz eigene Erfahrung wieder, 24 Stunden zusammen sein und uns hier herunten zu barrikadieren. Man sieht sich dann einfach wieder ein bisschen anders durch so etwas. Aber wenn man mit jemandem einmal 24 Stunden teilt, ist das etwas anderes, als wenn man jemanden nur 2 Stunden lang sieht für irgendwas.
Es passiert etwas: Die Rathausparty
Es passiert etwas: Die Rathausparty
m 18: Am Schluss hatten wir unsere Rathausparty. Die haben wir echt im Rathaus durchgeführt, da haben wir quasi das Rathaus besetzt, besetzen dürfen. Eigentlich mit der Aktion, glaube ich haben wir noch einmal einen draufgesetzt, weil im Rathaus eine Jugendveranstaltung, das hat man noch selten gesehen, glaube ich, sogar von Jugendlichen gestaltet. Wir hatten auch verschiedene Workshops im Rathaus – Digeridoo bauen, Graffiti Kurs, Musikworkshop, irgendwas mit DJmäßig, das hat sehr viel Eindruck gemacht.
m 18: Wir haben eben gesagt, wie könnten wir die Party veranstalten? Wir haben uns überlegt, man könnte vor dem Rathaus die Wiese nützen, wir haben uns auch überlegt, dass das alles im Zentrum sein soll, je zentraler, desto besser. Wir haben uns auch den Sparkassensaal überlegt. Den hätten wir auch günstiger oder sogar kostenfrei bekommen, aber dann haben wir uns doch ein öffentliches Gebäude überlegt. Durch die ganzen Diskussionen haben wir dann gesagt, wir probieren das Rathaus, wenn es nicht geht, suchen wir uns etwas anderes, quasi 50-50 Joker. Es war dann eigentlich unerwartet, dass wir das zugesagt bekommen haben. Das hat uns sehr gefreut und für uns war das persönlich sehr viel wert, dass wir das Rathaus zur Verfügung bekommen. Das ist ja auch ein altes historisches Gebäude und viele Dinge, die nicht beschädigt werden sollen. Wir haben auch nicht alle Räume bekommen, aber doch großteils.
m18: Wir hatten auch Bands, rein von dem her. Zusätzlich denke ich mir, haben wir das toll dekoriert gehabt, das war auch ganz ein anderer Zugang von der Veranstaltung her, das ist einmal für viele Leute schon deshalb interessant. Im Rathaus hat jeder etwas zu tun, im Rathaus war jeder schon einmal und auf einmal ist dann so etwas da. Das war wahrscheinlich ein Anreiz, dass dann mehr hingekommen sind, als in ein Zelt, wenn wir irgendwo eines aufgestellt hätten. Ein Festzelt ist halt ein Festzelt, so wie man das halt immer hat.
Toll dabei war auch der Rückhalt der Gemeinde – das ist ganz ein wichtiges Signal.
m 18: Nebenbei hat man auch immer kleine negative Dinge gehört, aber wir haben nie Probleme gehabt, es ist sogar richtig von der Stadt verteidigt worden. Ich muss sagen, wir haben einen super Bürgermeister, einen super Jugendreferenten. Da kann man hingehen, auch als Jugendlicher, die sind wirklich da und da kann man sagen, da passt uns etwas nicht
und dann kann man normal reden, von dem her haben wir von der Stadt eine super Unterstützung bekommen, wo wir uns vorher nicht sicher waren, wir haben nicht sicher damit gerechnet, aber es ist immer alles super gelaufen.
Optimal war vom Jugendforum her, dass sie schon einen Zugang zu einer Seite einer Lokalzeitung hatten – das erleichterte die Information über ihr Vorhaben. Auch Plakate wurden wieder angefertigt.
m18: Da war relativ viel los. Wir haben das sehr gut ausgeschrieben, wir haben im Vorhinein durch unsere Zeitungsartikel viele informiert, dass da etwas kommt. Ich glaube, dass das eine gewisse Zeit hängen geblieben ist, dass man gewusst hat, da ist etwas, aber man ist sich nicht ganz sicher was da ist, das ist ein bestimmter Kitzel, sie haben zwar gewusst, da ist was los, aber man hat sich das einfach nicht vorstellen können, was das ist.
m18: Zuerst haben wir das Plakat entworfen mit blau und rot, glaube ich, so mit den Farbgestaltungen auch. Wir haben dann gesagt, dass wir das schwarz machen, weil wir quasi neutral sind, weil wir keiner politischen Partei angehören, weil wir alle damit nichts zu tun haben.
m18: Das Rathaus haben wir als Hintergrund verwendet. Eine Internetseite haben wir auch. Das war einfach unsere Veranstaltung. Beim Digeridoo haben wir das australisch gestaltet, aber grundsätzlich hat jeder von den Workshops irgendetwas mit gehabt.
Die Rathausparty begann schon um 15:00 Uhr, damit hatten auch die Workshops genügend Zeit mit den Teilnehmerinnen zu arbeiten.
m18: Es hat damals um 15:00 Uhr angefangen, wir wollten es zuerst sogar noch früher starten, wir haben uns aber dann auf 15:00 Uhr geeinigt, weil wir gesagt haben, das ist eine feine Uhrzeit. Wir hatten noch viel zum Herrichten. Wir konnten erst am Freitag Nachmittag mit dem Vorbereiten beginnen. Das war dann sehr fein, weil wir keinen kompletten Stress hatten, auch die ganzen Workshops.
Die Dekoration war den Jugendlichen sehr wichtig.
m18: Die allgemeine Dekoration war sehr viel mit Beleuchtung gestaltet, mein Großcousin arbeitet bei einer Event- Organisation, der hat das immer quasi als Sponsoring bekommen, wir haben auch immer Werbung rauf gegeben, das war ein gegenseitiger Deal. Wir haben auch Plakatwände aufgestellt, wir haben auch unsere alten Plakate aufgehängt.
Die Trinkschule
Die Trinkschule
Die Trinkschule ist auch ein unorthodoxes Projekt des Kitzbühler Jugendforums, welches aber sehr interessant und für die Jugendlichen eine gute reflexive Schiene in der Suchtvorbeugung ist.
m18: Bei einer Diskussionsrunde sind wir einmal auf die Trinkschule gekommen. Man lernt wie man trinkt und wie man sich da verhält und wie man beeinflusst wird. Man macht dann einen Reaktionstest und einen eher leichten Intelligenztest oder so ähnliche Dinge im komplett nüchternen Zustand. Dann bekommt man zwei Bier zum Trinken. Dann macht man das ganze noch einmal. Man sieht dann schon, wie kleine Mengen Alkohol gewisse Sachen beeinflussen können. Wenn es auch nur eine minimale Beeinflussung ist, man merkt es zwar selbst nicht, aber sie ist da. Zum anderen lässt man sie noch ein bisschen weiter trinken, bis sie angeduselt sind, also nicht Vollrausch und dann arbeitet man mit den Leuten und schaut wie sie sich anders verhalten. Jeder hat ein gewisses anderes verhalten im Rauschzustand. Man reagiert vielleicht intensiver, es ist schon interessant, wie sich das auswirkt. Vielleicht machen wir das jetzt als Projekt, vielleicht auch mit Protokoll, wie sich die Leute so verhalten. Wir wollen niemanden davon abhalten Alkoholiker zu werden, aber wir können unseren Beitrag leisten. Das ist natürlich schwierig, wir haben natürlich diskutiert, dass einer, der mit 30 ein Alkoholproblem hat, dass der das mit 20 auch schon hatte.
Was würdet ihr anderen nicht empfehlen?
Was würdet ihr anderen nicht empfehlen?
m18: Wenn man mit Alkohol Partys macht, dann sollte man zumindest am Anfang vorsichtig sein. Das kann oft sehr schnell gehen, dass einer zu viel hat. Das hat bei uns sehr gut funktioniert. Bier und Wein, das ist genug und natürlich auch antialkoholische Getränke haben wir um einen Euro ausgegeben. Ausweiskontrolle haben wir auch durchgeführt.












